Eigentlich sind die für Shanghai lange Zeit typischen Shikumen-Häuser zum Großteil verschwunden. Doch es gibt noch ein paar Viertel, wo man angeblich den nostalgischen Charme des früheren Shanghai erleben kann.
Hohe Erwartungen an historische Viertel
Also machen wir uns auf den Weg, um ein paar dieser Steintor-Häuser zu sehen. Diese zweistöckigen Backsteinbauten sind eine Mischung aus traditionellen südchinesischen Innenhofhäusern und europäischen Reihenhäusern und waren so begehrt, dass in den 1930er Jahren rund 60 Prozent des gesamten Wohnraums ausmachten. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf, was davon noch übrig geblieben ist.
Platanen-Alleen
Wir bewegen uns an diesem Tag im Gebiet der ehemaligen französischen Konzession. Das bedeutet, dass die Straßen alle mit Platanen gesäumt sind. Das ist einerseits sehr hübsch und andererseits spendet es Schatten, falls es zu heiß wäre. Momentan haben wir mit leicht über 20 Grad jedoch sowieso perfektes Wetter zum Herumlaufen.
Xintiandi viel zu trendig
Unser erster Eindruck von einem der beiden bekanntesten Viertel, von Xintiandi, ist nicht besonders. Es ist ziemlich überlaufen von Touristen und Grüppchen die das Viertel als Kulisse für Fotoshootings verwenden. Die Shikumen-Häuser sind so intensiv saniert, dass sie eigentlich wie neu erbaut und nicht wie renoviert oder restauriert wirken. Was allerdings noch mehr stört, die Häuser sind zum größten Teil mit Plakaten, Schildern und Werbung vollgepflastert. Zudem gibt es etliche Geschäfte von Luxus-Marken sowie Gastgärten, die eher wie deutsche Biergärten aussehen und stilmäßig nicht zu den eigentlich historischen Shikumen-Häusern passen.
Nach nicht allzu langer Zeit ziehen wir weiter und schlendern noch immer durch die ehemalige Französische Konzession, also das historische Stadtviertel, das von 1849 bis zirka 1946 unter französischer Verwaltung stand. Wir kommen bei einigen Wohnblöcken vorbei, die von Einheimischen bewohnt werden und viel mehr wie das echte Leben wirken als das Trend-Viertel Xintiandi.
Verkehrsstille
Was beim Gehen durch die Straßen für uns ein bisschen unecht wirkt, ist der Straßenverkehr. So gut wie alle Fahrzeuge sind elektrisch unterwegs, also Mopeds, Autos, Nutzkraftfahrzeuge, Busse und LKWs. Nur sehr selten hört man ein benzinbetriebenes Motorrad oder Auto kommen. Sonst ist es fast still. Die Stille wird vor allem durch Hupen von Mopeds unterbrochen oder von meist älteren Chinesen die ein laut dröhnendes Radio oder Smartphone am Fahrrad mitführen.
Villenviertel Sinan Mansions
Als wir bei den Sinan Mansions ankommen, wird es viel weitläufiger und das Areal ist als großes Freilichtmuseum gestaltet. In diesem historischen Viertel stehen in großen Gärten riesige Villen, die sich ganz stark durch den Einfluss von europäischem Kolonialstil und Art-Déco auszeichnen. Früher lebten hier bekannte Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte, wie der Staatsmann Zhou Enlai, dessen Besitztum wir besichtigen. Insgesamt ist es hier sehr entspannt. Wüssten wir nicht, dass wir mitten in Shanghai sind, könnten wir glauben, wir wären in einer europäischen Stadt.
Enge Gässchen in Tianzifang
Schlussendlich landen wir im zweiten Shikumen-Haus-Trendviertel in Tianzifang. Das hat ein komplett anderes Flair. Hier sind die Gassen sehr eng und verwinkelt. Offenbar wurden in Tianzifang die alten Häuser erhalten und einfach nur renoviert. Trotzdem hier noch Einheimische wohnen und einige winzige Läden mit Souvenirs oder ganz kleinen Lokalen betreiben, sind auch hier eine Menge Touristen unterwegs. Doch damit haben wir für diesen Tag mal genug von trendigen Shikumen-Vierteln und essen zum Abschluss noch Dim Sum bei Sue.
Ein Gedanke zu „Shikumen-Häuser zu sehr im Trend“
sehr schöne Bilder 👍