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Durch Buddhas Nasenloch gekrochen

Donnerstag entschieden wir uns mit dem Zug in die erste Kaiserstadt von Japan, also nach Nara, zu fahren. Doch die öffentlichen Verkehrsmittel in Osaka weniger übersichtlich und nicht so leicht zu durchschauen wie in Tokyo. Also versuchten wir erst einmal uns am Linienplan im Bahnhof zu orientieren. Nach guten 10 Minuten hatten wir dann das Gefühl zu wissen, welcher Zug der richtige ist und auf welchem Gleis er abfährt. Doch die Anzeigetafel am Bahnsteig zeigte die aktuellen Züge nur in japanischen Schriftzeichen an. Also sind wir Zeichen für Zeichen durchgegangen und haben jedes einzelne verglichen bis wir den passenden Zug identifiziert hatten. Mit dieser Übung haben wir gleichzeitig heraus gefunden, was die Zahlen, Dreiecke und Ringerln am Boden des Bahnsteiges bedeuten und konnten uns ganz professionell in der richtigen Schlange anstellen.

45 Minuten später stiegen wir im beschaulichen Nara aus und waren in einem Städtchen gelandet, das jährlich von 38 Millionen Touristen heimgesucht wird. Das Gute daran ist, dass es dort dementsprechend eine ganze Reihe an Touristeninformationen gibt. Und zu unserer großen Überraschung gab es sogar einen deutschsprachigen Stadtplan. Da in diesem kleinen Städtchen alles sehr übersichtlich und gut beschildert ist, hätten wir uns wohl auch ohne Plan zurecht gefunden. Aber für die unaussprechlichen und nicht zu merkenden japanischen Namen ist so ein Plan sehr hilfreich.

Selfie mit den Hirschen

Nara gefiel uns aber auch deshalb so gut, weil man hier die wichtigsten Plätze bequem zu Fuß abgehen kann. Die Hauptattraktion ist der Nara-Park mit seinen Hirschen und dem Todaiji Tempel. Schon beim Betreten des weitläufigen bewaldeten Parkgeländes sieht man die ersten Hirsche. Desto weiter man im Park geht, desto mehr Hirsche sieht man. Angeblich gibt es mehrere Tausend von diesen Tieren und das klingt plausibel wenn man sieht, wie viele herum laufen. An Besucher gewöhnt sind die Hirsche außerordentlich zutraulich, aber auch sehr frech. Denn sie werden permanent gefüttert und erwarten sich von jedem Besucher Essensnachschub. Also wird jeder vorbei laufende Mensch beschnuppert. Dafür stehen sie ständig als Models für die unzähligen Touristenfotoshootings zur Verfügung. Die amüsantestens Shootings zum Zusehen sind die Selfies Tourist + Hirsch.

Zwar nicht ganz so viele wie die Hirschen, aber doch unzählige Schüler bzw. Schulklassen laufen hier in ihren Uniformen herum. Denn für japanische Schulen gehört ein Besuch in Nara und in Kyoto einfach zum Pflichtprogramm.

Schließlich gibt es in diesen beiden Städten viele bedeutende Tempel und Schreine zu besichtigen. Einer davon ist der beeindruckende Todaiji Tempel, der Mitten im Parkgelände thront. Als wir davor standen, war uns klar, der ist eine wirklich große und mächtige unbeschreiblich eindrucksvolle Hütte. Es handelt sich um das weltweit größte Gebäude aus Holz und zählt natürlich zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Hauptgebäude des Tempels ist  57 Meter lang, 50 Meter breit und 49 Meter hoch. Es ist fast unvorstellbar, dass die für den Bau 26.000 verwendeten Bäume für 4.000 japanischen Häuser reichen würden.

Wenn wir bei einem Tempel sind, probieren wir immer wieder das eine oder andere Ritual aus. Diesmal haben wir Räucherstäbchen entzündet, in den großen mit Sand gefüllten Metalltopf gesteckt und uns den Rauch zugefächelt. Was im Detail dahintersteckt wissen wir noch nicht genau. Aber ich glaube, es ist auf jeden Fall gut fürs Karma. Im Hauptgebäude des Tempels, also der großen Hütte, steht die weltweit größte buddhistische Bronzestatue namens Daibutsu, was so viel wie Großer Buddha bedeutet. Obwohl ich schon sehr viele Tempel in auf meinen Reisen gesehen habe, war ich hier schwer beeindruckt.

Durchs Glücksloch gezwängt

Doch am spannendsten und lustigsten war eine der massiven Holzsäulen, die auf Bodenhöhe ein Loch hat, das angeblich die Größe eines Nasenloches von Daibutsu hat. Wer es schafft sich durch dieses Loch in der Säule durchzuzwängen hat ein gutes Jahr vor sich und kommt der Erleuchtung ein Stück näher. Natürlich ist es ganz klar, dass ich mich da, so wie die vielen Schüler die gerade im Tempel waren, durchziehen musste. Was für Kinder recht einfach ist – vor allem für kleine, zarte Asiaten, ist für erwachsene, große Langnasen nicht immer zu schaffen. Deshalb war ich ganz stolz auf mich, dass ich es ganz locker geschafft habe. Die umherstehenden Schülerinnen haben sogar geklatscht, weil sie es auch gut gefunden haben. Um ein paar Beiweisfotos schießen zu können bin ich gleich ein zweites Mal durch. Und vielleicht bedeutet das für mich auch ein doppelt gutes Jahr. Und Erleuchtung kann man ja auch nie genug haben.

Ein Wunsch ans Universum

Auf dem Weg zum Kasuga-Schrein haben wir noch so eine Shinto-Geschichte ausprobiert. Nämlich einen Wunsch auf eine Holztafel zu schreiben, der dann natürlich ganz bestimmt in Erfüllung gehen wird. In welcher Reihenfolge die auf hunderten Tafeln stehenden Wünsche erfüllt werden, wissen wir allerdings nicht. Wir hoffen auf jeden Fall, dass unsere bald dran kommen. Unsere Wünsche werden an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Denn es wäre nämlich etwas peinlich, wenn sie wider Erwarten doch nicht in Erfüllung gehen sollten.

Am Rückweg zum Bahnhof sind wir noch durch die Seitengasse geschlendert, wo noch eine ganz Menge an alten, schönen Häusern herum stehen und sich dazwischen eher rustikale Einkaufspassagen befinden. Nach einem Abschlusskaffee haben wir dann – schon ganz die Bahnprofis – sofort den richtigen Zug zurück nach Osaka gefunden.

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