AntarktisSüdgeorgien

Grytviken als Mahnmal der Walfanggeschichte

Bevor wir bei unserem nächsten Stopp in Grytviken an Land gehen konnten, gab es noch einiges an Vorbereitung.

Gebot Biosicherheit

Schon beim Briefing am Vortag wurde uns klar gemacht, dass das Thema Biosicherheit in Grytviken oberste Priorität hat. Natürlich gilt das Prinzip, dass man keine fremden Materialen, wie Samen oder Erden einschleppt, auf unserer gesamten Reise durch die Antarktis. Aber da mittels hohen finanziellem Aufwand gerade erst vor zwei Jahren die nicht heimischen Ratten und Mäuse komplett ausgerottet wurden, wird jedes Schiff genauestens kontrolliert. Schon einige Zeit davor konnten auch die Rentiere erfolgreich eliminiert werden.

Stiefel- und Rucksackcheck

Damit wir darüber Bescheid wissen, kam zuerst eine Mitarbeiterin des South Georgia Heritage Trust Fund auf unser Schiff und erzählte uns davon. Anschließend wurden wir dann einzeln kontrolliert, bevor wir ins Zodiac stiegen. Da unsere Stiefel und Rucksäcke ordentlich sauber waren, darf die MS Sea Spirit bei ihrer nächsten Reise wieder an diversen Stellen auf Südgeorgien anlanden und muss nicht, wie andere Schiffe, zuerst nach Grytviken zum Check.

Ehemaliger Walfang

Traurige Bekanntheit hat Grytviken aber vor allem durch die ehemalige Walfangstation erlangt. Die ist natürlich schon seit Jahren, also seit 1966, stillgelegt und Walfang ist eigentlich weltweit verboten. Wie bekannt ist, gibt es dennoch Länder, die unter dem Vorwand von Forschung trotzdem Walfang betreiben und diese Tiere verspeisen.

Zu Hochzeiten des Walfangs wurden zigtausende Tiere getötet und im Akkord verarbeitet. Motivation war das gute Geld, das man damit machen konnte. Überrascht waren wir darüber, dass angeblich alle, die bereits 50 Jahre alt sind, in ihrem Leben sicher Produkte mit Bestandteilen von Walen konsumiert haben. Ob das auch für uns in Österreich zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Aber ich denke, dass die Walverarbeitungsindustrie und das Walfett die Vorläufer des heutigen Palmöl-Wahnsinns waren.

Walbestand im Aufwind

Im Südpolarmeer wurde vor allem der Südliche Glattwal gefangen, weil er der richtige Wal war. Er wird in Englisch auch „Southern Right Whale“ genannt, weil er einerseits sehr neugierig und zutraulich war und somit oft freiwillig in die Nähe von Schiffen kam. Und andererseits schwamm sein Körper an der Wasseroberfläche, nachdem er getötet wurde. Damit war er leicht aus dem Wasser zu fischen. Auch wenn das sehr grauenvoll war, ist die gute Nachricht, dass sich die Walbestände inzwischen weltweit langsam erholen. Deshalb haben wir auf unserer Reise auch oft Wale im Meer schwimmen sehen.

Noch ein britisches Überseeterritorium

In Grytviken kann man heute ungehindert durch die historische Walfangstation spazieren. Außerdem gibt es ein Museum und einen Souveniershop. Im Gegensatz zu den Falklandinseln hat Südgeorgien als britisches Überseeteritorrium keine eigene Währung. Und auch wenn Südgeorgien, das keine Einwohner hat, sondern nur ein paar Forscher temporär beheimatet, vom Falkländischen Gouverneur mitverwaltet wird, werden in Südgeorgien die falkländischen Pfund nicht als Zahlungsmittel angenommen.

Wir hatten schon beim Vortrag am Schiff den Hinweis bekommen, wir sollten unbedingt Bargeld für eventuelle Souveniers mitnehmen, weil gerade die Internetverbindung kaputt ist und somit Kartenzahlung nicht möglich war. Aber Britische Pfund, Dollar und Euro in Scheinen waren gerne gesehen. Und da soll noch mal einer sagen, dass wir Bargeld abschaffen sollten.

Neuer Favorit: Seebär-Youngsters

Neben der spannenden Geschichte des Walfangs, den Details zur Walfangstation und unglaublichen, damaligen Arbeitsbedingungen waren dort natürlich alle Tiere, die auf Südgeorgien beheimatet sind, auch überall zu finden. Also Pinguine und Seebären vergnügten sich an diesem sonnigen Tag und die Jungtiere tollten herum, während die Seeelefanten fast regungslos mit ihren fettleibigen Körpern herum lagen.

Von den Seeelefanten mussten wir besonders Abstand halten, den gerade jugendliche Seeelefanten sind aufgrund ihrer Hormonlage recht aggressiv und eventuelle Bisse wären nicht nur unangenehm, sondern die Bakterien im Maul dieser Tiere sind für uns Menschen tödlich.

Doch inzwischen waren die Babyrobben unsere heimlichen Stars. Obwohl die Pinguine der eigentliche Grund für unsere Reise in diese Region waren, haben wir uns in die süßen Seebär-Minis inzwischen mehr verliebt.

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5 Gedanken zu „Grytviken als Mahnmal der Walfanggeschichte

  1. Das Robbenbaby ist wirklich süß! -Die großen Robben schauen sehen sehr gut ernährt aus…wie ein großer Felsen mit Gesicht gg
    sogar Löwenzahn wächst dort, faszinierend.
    Nehme nicht an, dass bei der Holzbrücke noch wer drüber marschiert ist gg
    LG lILLY

    1. Ja, nur leider sollte der Löwenzahn dort nicht sein. Der ist eingeschleppt worden. Er ist angeblich eine von 4 Pflanzenarten die auf der Liste der „wieder zu eliminierenden Pflanzen“ steht.

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