• National Landmarks Garden

    Naypyidaw Landmark Garden Nov_2017 -005

    Im Zuge unseres Tagesausfluges nach Nay Pyi Daw, der eigentlichen Hauptstadt Myanmars, haben wir den „National Landmark Garden“ besucht.

    Minimyanmarus

    Das ist eine Anlage mit den Umrissen des Staates Myanmars und darin sind alle Sehenswürdigkeiten des Landes in Kleinformat an den jeweils korrekten Stellen ausgestellt. Also wie ein Minimundus von Myanmar, also ein Minimyanmarus.

    Das ganze Land und all seine Sehenswürdigkeiten und seine Teilstaaten und die wichtigsten Ethnien und ihre Lebensarten auf einen Park zusammengeschrumpft und somit locker an einem Tag zu besichtigen. Ich weiß nicht genau, warum wir fast vier Wochen durch das Land getingelt sind, wenn wir das auch einfach so, ratz-fatz erledigen hätten können ;-).

    Aber wir sind hier in Myanmar und überhaupt in Nay Pyi Daw und hier ist alles ein bisserl anders und oft ein bisserl skuriler als man glaubt.

    Nix Englisch

    Als wir den großen Eingangsbereich, in Naypyidaw ist nämlich immer alles groß, des National Landmark Gardens betreten wird uns eines sofort klar. Die sind hier nicht darauf eingestellt, dass es auch nicht-burmesische Touristen gibt. Außer dem Namen „National Landmark Garden“ können wir nichts lesen, alles ist in Schlauferlschrift verfasst, sogar die Eintritspreise.

    Eine der vier Damen beim Ticketschalter versuchte uns in unglaublich schlechtem und bruchstückhaftem Englisch etwas zu erklären. Wir verstanden nichts wirklich. Am Ende dieses eher kuriosen Dialogs glauben wir folgendes erfahren zu haben: es dauert etwa ein Stunde und es kostet 13.500 Kyat, rund 8 Euro, pro Person. Deal.

    Elektro-Caddy-Rundfahrt

    Dann wurden wir von selbiger Dame zum Startpunkt unserer Reise gebracht. Ein ziemlich abgenudelter Elektro-Caddy, wie man sie oft auf Golfplätzen sieht, und ein junger Burmese erwarteten uns, um uns ziemlich überraschte Europäer nun durch Minimyanmarus zu chauffieren. Auch hier schlägt wieder Nay Pyi Daws Größenwahn voll zu. In den nächsten Augenblicken erkannten wir, dass die ganze Anlage wohl ungemein groß sein muss. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten waren oft mannshoch, die Distanzen dazwischen kleine Wanderungen und das gesamte Gelände hat Ausmaße denen eher ein Ein-Tages-Wandertag gerecht werden würde. Und so surrten wir nun mit unserem Caddy-Fahrer, der original kein Wort Englisch sprach und kaum eines verstand, durch Maximyanmarus. Bei besonders schönen Sehenswürdigkeiten oder bei jenen die wir schon in natura gesehen haben, baten wir um einen Foto-Stopp.

    Ansonsten ging’s gemächlich durchs gesamte, verkleinerte Myanmar. Immer wenn wir eine imaginäre Teilstaatengrenze passierten, gab’s eine Durchsage seitens des Fahrers, die wir immer erst verstanden, wenn wir das dazupassende Schild lasen. Einige ausgewählte Sehenswürdigkeiten wurden ebenfalls verbal angesagt und bei einigen anderen blieb er sogar unaufgefordert stehen. Möglicherweise jene, die ihm besonders gefielen oder auf die er stolz war? Wir kamen nicht dahinter.

    Und so eröffneten sich für uns zwei Dinge. Zum einen sahen wir nun einige Sehenswürdigkeiten, in klein, welche wir zwar gerne gesehen hätten, aber aus transporttechnischen Gründen nicht zeitgerecht erreichten. Beispielsweise den goldenen Felsen in Kyaikto oder die weiße Pagode in Mingun. Zum anderen sahen wir Repliken von echt schönen Sehenswürdigkeiten, die uns während unserer Reiseplanung gar nicht untergekommen waren und teilweise wirklich beeindruckend sind, die wir gerne in echt gesehen hätten.

    Unglaublich heruntergekommen

    Wir erlebten noch einen ganz anderen Aspekt. Unglaublich skurril und irgendwie traurig zugleich. Die gesamte Anlage ist eine im Grunde grandiose Idee den Touristen das gesamte Land Myanmar in seiner unglaublichen Vielfalt an beeindruckend Sehenswürdigkeiten und Ethnien kompakt zu präsentieren. Aber zum einen scheint das Konzept am Größenwahn, zum anderen an mangelnder Sorgfältigkeit und vielleicht auch am mangelnden Eifer jener, die den Park tagtäglich am Laufen zu halten haben und wahrscheinlich auch am Mangel an erforderlichen Betriebsmitteln zu scheitern. Dieser Park ist maximal 12 Jahre alt, der Erhaltungszustand ähnelt aber dem einiger stillgelegter Objekte oder Gebäude des Wiener Donauparks, welcher aber 1974, also vor über 40 Jahren eröffnet wurde.

    Viele Objekete und Gegenstände sind schlichtweg desolat. Elektroschaltkästen mit abgerissenen Türen. Sitzbänke mit fehlenden Planken. Eine Wasserrutsche die inmitten einer grünen Wiese steht, ohne sichtbarem Becken. Ein andere Wasserrutsche die in einem Becken mit einer regelrechten Kloake endet. Ganz viele Objekte die komplett verwittert sind und scheinbar seit ihrer Fertigstellung nie gereinigt oder gepflegt wurden. Immer wieder vermüllte Ecken – was man in ganz Myanmar seeehr oft zu sehen bekommt. Pavillions die vor Jahren wahrscheinlich Jausenstationen waren und nun ausgehöhlt und hässlich dastehen.
    Sehr oft Baumschnitt, der zusammengetragen wurde und nun verrottet. Die Rasenflächen sind fast durchwegs Wiesen mit oftmals einen halben Meter hohem Gras. Manche Objekte sind im Vorbeifahren gar nicht mehr zu sehen, weil Wiese, Sträucher und Bäume mitlerweile so gewachsen sind, dass sie die Sicht gänzlich versperren.

    Die Dinosaurier am Kinderspielplatz sind durchwegs desolat, teilweise echt zerstört und sehen so alt aus als wären sie tatsächlich aus der Kreidezeit.
    Das Pagodenfeld von Bagan ist in Form eines maßstabsgetreuen Modells auf einer Fläche von etwa 5 x 5 Metern aufgebaut. Das wäre eine tolle Möglichkeit für einen Gesamtüberblick über Bagan und alle relevanten Pagoden und Stupas. Leider ist diese Modellanlage derart verwittert, daß man vieles gar nicht mehr erkennen kann. Und manche Pagodenmodelle sind stärker beschädigt als die echte Pagode in Bagan es sind.

    Nay Pyi Daw-Modell im Dunklen

    Es gibt eine Halle von Nay Pyi Daw. Dort wurde die Hauptstadt als Modell auf der Fläche eines halben Tennisplatzes nachgebaut, ulkigerweise inklusive des Landmark Gardens. Und da es in einer Halle steht und vor dem Wetter geschützt ist, wäre es sogar noch ganz gut in Schuss. Aber Strom scheint teuer zu sein, deswegen ist das Licht in der Halle abgedreht und man kann sich das alles nur im Halbdunkel, lediglich beleuchtet vom spärlichen Licht das durch die Eingangstür scheint, ansehen.

    Süden unter Wasser

    Fast die ganze Westküste Myanmars grenzt an den indischen Ozean. Deswegen wurde dieser Garten so angelegt, dass er mit seiner Westseite an einen See grenzt, der das Meer repräsentiert. Der Weg der in den Süden Myanmars führt, dürfte sich aber abgesenkt haben, den der war komplett überflutet. Und so surrten wir mit unserem Elektro-Caddy durchs Wasser, das gerade nicht über die Bodenplatte schwappte und befürchteten jeden Moment aufgrund eines Kurzschlusses liegenzubleiben. Den untersten Süden Myanmars hat uns unser Fahrer nicht zeigen können, denn der stand wirklich tief unter Wasser. Nur von der Ferne konnten wir erahnen, dass es auch in den Staaten Mon und Tanintharyi hübsche Sehenswürdigkeiten zu geben scheint.

    Wir kammen auch an einem Gelände vorbei an dem eine ganze Reihe völlig abgewrackter Elektro-Caddys herumstanden. Ich schwöre, die sahen aus, als wären sie 50 Jahre in Betrieb gewesen, nicht nur 10. Keine Ahnung was denen widerfahren sein muss, um so auszusehen.

    Auch die großen Flüsse Myanmars, der Ayeyarwadi, der Chindwin und andere wurden nachgebildet. Zum einen in völlig unansehnlichen Betoneinfaßungen, aber gut das geht im Park wohl nicht anders. Aber trotzdem waren sie entweder gänzlich ausgetrocknet oder komplett vertümpelt.

    Die Hügel von Sagaing mit ihren hunderten Stupas waren von unterschiedlich grüner Patina überzogen. Wie das Dach unserer Karlskirche. Wahrscheinlich, weil sie sie aus Kupferblech gefertigt wurden.

    Immer wieder kamen wir an kleinen Wartehäusschen von Bushaltestellen oder deren Überresten vorbei. Bus haben wir keinen gesehen. Fraglich ob es den überhaupt noch gibt.

    Es gibt auch einen kleinen Luna-Park mit Karusell und Roller Coaster und ähnlichen Attraktionen. Nichts davon war in Betrieb. Und so wie es aussah wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Auch hier hat die Verwitterung ihres getan. Man hatte den Eindruck, dass dieser Luna-Park schon vor 20 Jahren geschlossen wurde, und nicht dass er vor 12 Jahren eröffnet wurde.

    Fast gruselig

    In allen modellierten Teilstaaten sind auch immer typische historische Häuser und Hütten der dortigen Stämme aufgebaut und auch immer zwei Figuren mit der jeweiligen Landestracht (eine männliche und eine weibliche) aufgestellt. Das hatte schon fast eine geisterbahnartiges Flair, wenn plötzlich zwei verwitterte Gestalten mit irrem Grinsen im Gesicht, hinter einem Gebüsch auftauchten. Dahinter eine manchmal ähnlich verwitterte Hütte. Wie eine Kulisse aus einem B-Horrorfilm. Wir fuhren quasi durch die grösste Freiluft-Gisterbahn der Welt.

    Und schließlich die Krönung. Links und rechts der Eingangshalle ragen zwei hohe Ausichtstürme in den Himmel. Sie sind Wahrzeichen dieses Parks, denn sie sind auf allen Prospekten und Tafeln abgebildet. Und wir wurden von der Ticket-Verkaufs-Tante auch extra darauf hingewiesen. Also stapften wir, nachdem wir von unserer Reise durch Maximyanmarus zurück waren, zu einem der Türme. Dort saß ein grimmig dreinblickender, völlig gelangweilter, unformierter Mann und schickte uns mit unverständlichen Grunzlauten aber umso eindeutigerer, wachelnder Gestik zum anderen Turm.

    Ein Wort zur Freundlichkeit

    An dieser Stelle muss ich ‚mal ein klares Dementi bezüglich einer Vielzahl von bisher gelesenen und gehörten Reiseberichten, Blogs und Videos anbringen. Nein, die Burmesen sind nicht sooo unglaublich freundlich und hilfsbereit. Wir haben auch einige gar nicht nette und gar nicht hilfdbereite, sondern eher grantige Burmesen erlebt. Und ich habe den Eindruck, dass es meistens Burmesen in Uniform waren. Und wir haben auch nicht den Eindruck, dass die freundlichen Burmesen freundlicher waren als andere Asiaten. Wir haben auch Thailand, Hongkong, Taiwan und Japan bereist und deren Landsleute waren nicht weniger freundlich als die Burmesen. Ich habe den Eindruck, dass eher die Japaner die Freundlichkeit gepachtet haben und es damit eigentlich eher übertreiben.

    Wir wackelten also zum anderen Turm, auf der gegenüberliegenden Seite der Eingangsportals und staunten. Dieser Turm war nämlich ausser Betrieb, weil der Lift gerade repariert wurde. Und wir sind uns sicher der Wachler vom ersten Turm wusste das, denn die Eingänge der beiden Türme sind in sichtweite.
    Da es ziemlich heiß war und wir schon etwas müde waren, waren wir nicht nur enttäuscht sondern resignierten auch und verließen die Anlage ohne Aussicht vom Turm.

    Im nachhinein betrachtet hätten wir auf die Fahrt auf den Turm bestehen sollen, denn ich glaube das hätte noch ein paar skurrile Bilder eingebracht.

     

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