Leere 20-spurige Straßen in Myanmars Hauptstadt Nay Pyi Daw

 
Wieder einmal viel zu zeitig aufstehen. Wieder für einen Flug. Allerdings mit dem Flieger. Und zwar nach Nay Pyi Daw. Auch wenn diese Stadt nicht so bekannt ist, es handelt sich dabei immerhin um die Hauptstadt von Myanmar. Allerdings erst seit 12 Jahren. Sie ist eine von den kuriosen Planstädten – wie auch das malaiische Putrajaya, das ich 2013 besucht habe -, die am Reißbrett entworfen und im nirgendwo aufgebaut wurden. Unser Tag in Nay Pyi Daw war dementsprechend bizarr. 
 

Schlaftrunken zum Flughafen

Wir tappelten also um 5.15 Uhr aus unserem Zimmer zur Rezeption um unsere Lunchpakete abzuholen und dann ging es mit dem Taxi zum Airport. Bereits nach einer guten halben Stunde – statt 45 bis 60 Minuten tagsüber – waren wir am Flughafen Yangon und checkten ein. Bei der anschließenden Sicherheitskontrolle nahmen sie uns vier von den sechs mitgebrachten kleinen Wasserflaschen ab. Also ganz im Griff haben sie es wohl nicht mit dem Abnehmen von den bösen, gefährlichen Flüssigkeiten. Noch mehr verwundert waren wir aber deshalb, weil wir bei allen anderen Inlandsflügen die Getränke behalten durften. In Heho hat mir so ein Typ die Wasserflasche sogar extra wieder in die Hand gedrückt, als ich sie abstellte.
 
Die 737 von Myanmar National Airlines war bis auf den letzten Platz voll. Offenbar fliegen viele Businessleute um 7 Uhr nach Nay Pyi Daw und abends wieder zurück. Denn beim Rückflug waren fast die selben Leute wieder mit an Board. 
 

Überdimensioniertes Nay Pyi Daw

Schon am Flughafen in Nay Pyi Daw bestätigte sich das Gehörte, nämlich dass hier alles zu groß dimensioniert ist und es überall ein bisschen ausgestorben wirkt. Ein internationaler und gar nicht kleiner Flughafen und neben unserer nur noch eine zweite Maschine am ganzen Flugplatz. Im Vergleich dazu war am Flughäfchen von Heho die Hölle los. Dafür standen in Nay Pyi Daw umso mehr Sicherheitsleute mit grimmigem Blick Spalier. 
 

Zu Fuß geht gar nichts

Da es in Myanmar generell schon recht schwierig ist, ohne Fahrzeug von einem zum anderen Ort zu kommen, haben wir über unseren Hotel-Consierge ein Taxi für den ganzen Tag bereits von Yangon aus bestellt. Es kam uns dann komisch vor, dass das Taxi in Nay Pyi Daw ein Yangoner Kennzeichen hatte. Bald wussten wir, dass der Fahrer nur für diesen einen Tag extra aus Yangon gekommen ist. Das war nicht der Sinn der Sache. Der arme Kerl musste vier Stunden Anreise und vier Stunden Rückreise auf sich nehmen. Wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir auch ohne Flug mit drei Stunden Mehraufwand direkt mit dem Taxi anreisen können.
 
Das Vorbestellen des Taxis übers Hotel hatte allerdings den großen Vorteil, dass der Consierge unsere Liste mit den Wunschzielen in Schlauferlschrift übersetzte und vorab sogar ein Foto per Smartphone  an unseren Fahrer schichte. Alternativ kann man die Fotos der Sehenswürdigkeiten aus Google Pictures herzeigen. Das klappt auch ganz gut, wenn es etwas bekanntes ist. Aber generell ist es in diesem Land kaum möglich mit einem Taxler etwas in Englisch zu besprechen oder abzuklären. 
 
Groß und leer
 
Gehört und gelesen hatten wir schon einiges über Nay Pyi Daw. Die Stadt wurde für 8 Millionen Leute konzipiert und ist acht Mal so groß wie Berlin. Aber nicht einmal eine Million Menschen wohnen da. Und Besucher gibt es kaum. Wir wurden an diesem Tag auch überall neugierig beäugt. Es wurde uns die letzten drei Wochen ständig davon abgeraten hierher zu kommen, weil es viel zu heiß sei und es nichts zu sehen gibt. Genau dieses nichts wollen wir persönlich in Augenschein nehmen. 
 

20 Spuren ohne Autos

Die absurden Dimensionen machen sich schon vom Flughafen weg bemerkbar. Achtspurige Straßen führen in die 20 Kilometer entfernte Stadt. Je nach Ziel fährt man auf Straßen mit perfekt von Gärtnern bepflanzten und gepflegten Mittelstreifen mindestens ein halbe Stunde, zum Beispiel um in die Hotelzone zu kommen. Die Stadt ist nämlich in verschiedene Zonen aufgeteilt und zwar in Zone für Hotels, Einkaufen, Wohnungen für Beamte und das Regierungsviertel. 
 
Verkehrsstau ist hier auf jede Fall völlig unbekannt. Den dichtesten Verkehr hatten wir als wir mit den anderen Fluggästen zeitgleich in Taxis und Shuttleservices in die Stadt fuhren. Beim geschlossenen Bahnschranken, der über die achtspurige Straße verläuft und händisch wie eine Türe auf- und zugeklappt wird, warteten drei Autos und drei Mopeds. Damit konnten alle gleichzeitig nebeneinander losfahren, als der Schranken geöffnet wurde.
 
Unglaublich ist allerdings die 20-spurige Straße, die zum Präsidentenpalast führt. Ab und zu fährt natürlich schon ein Auto vorbei. Aber es ist kein Problem die Straße zu Fuß zu überqueren, auf einer beliebigen Spur stehen zu bleiben und zu fotografieren und Fotos von dieser Straße ohne ein einziges Auto zu schießen. Es fühlt sich so unglaublich unrealistisch an. Man könnte meinen, man steht in einer Kulisse. Leider war die 20-spurige Straße schon vor der Abbiegung zum Präsidentenpalast von der Polizei abgesperrt, da an diesem Tag ein Meeting stattfand. 
 

Sightseeing

Unsere Sightseeing-Liste war nicht sehr lange. Einerseits gibt es nicht so viel zu besichtigen und andererseits liegen die Sachen so weit auseinander, dass man acht geben muss, wenn man nur begrenzt Zeit hat. Warum die für Touristen interessanten Dinge so weit auseinander liegen, ist uns allerdings nicht klar. Und mit weit auseinander sind mindestens 15 Minuten Fahrzeit mit dem Auto gemeint. Also von der Pagode mal schnell in den Park oder vom Hotel ins Restaurant zu spazieren geht einfach nicht. Obwohl hier im Gegensatz zu allen anderen von uns besuchten Städten in Myanmar perfekt in Stand gehaltene Gehsteige zu finden sind.
 

Pagode & Minimundus

Zuerst besuchten wir die der Yangoner Shwedagon nachempfundene Uppisanda Pagode und die weißen Elefanten zu dessen Besuch es hier mehr zu lesen gibt. Danach führte uns unserer Fahrer zum Myanmar Landmark Garden wo es hier mehr der vielen kuriosen Details gibt.
 
Zwischendurch blieben wir immer wieder auf der Straße stehen, um die Leere zu fotografieren und filmen. Aber auch interessante Geschwindigkeitsbegrenzungen über 48 km/h fanden wir. Der Blick auf den Präsidentenpalast war uns leider nicht vergönnt, also mussten wir bei der Polizeisperre wieder kehrt machen. 
 

Springbrunnen ohne Wasser

Und dann ging es zum Water Fountain Garden. Wir waren das einzige Auto am Parkplatz. Das hätte uns schon zu denken geben sollen. Dementsprechend war auch nichts in Betrieb. Die Becken der mindestens 15 verschiedenen Springbrunnen waren teilweise nicht einmal mit Wasser befüllt. Wasserspiele haben wir damit sowieso nicht gesehen. Das hat uns enttäuscht. Es war auch keinerlei Information zu bekommen, warum alles abgeschaltet war oder wann es wieder eingeschaltet wird. 
 
Trotz Sonnenschirm, den uns unser Fahrer geliehen hat, sind wir nicht sehr weit im eigentlich wunderschön angelegten Garten spaziert. Es macht einfach keinen Spaß, wenn alles außer Betrieb ist, überall die Wäsche zum Trocknen auf Geländern und Sträuchern von den Leuten, die im Park in Verschlägen wohnen herumhängen und gleichmäßig Müll verteilt herum liegt. 
 
Zum Abschluss haben wir uns noch das größte Einkaufszentrum von Myanmars Hauptstadt Nay Pyi Daw angesehen. Ladenzeile trifft es allerdings viel besser. Eine Hand voll Geschäfte und ein paar Restaurants. Das war es. Aber wahrscheinlich braucht es dort nicht mehr. Denn wo es nicht so viele Einwohner gibt, gibt es natürlich auch keine Kunden. 
 
Gegen 17 Uhr mussten wir dann eh schon wieder zurück zum Flughafen. Der war auch wieder mäßig in Betrieb, denn es waren nur Fluggäste unseres Fliegers da. Man könnte sagen, dass an den Domestic Check In-Schaltern sogar was los war. Bei den 16 International Check In-Schaltern war kein ein einziger Mensch. Der war quasi nicht in Betrieb und macht daher den Eindruck einer Geisterstadt oder ein Replik im Landmark Garden.
 
Mit vielen Eindrücken von noch niemals Gesehenem und Erlebten sind wir also abends zurück nach Yangon geflogen. 
 

Resümee

Es war schräg, es war eigenartig, manches unglaublich. Und wir würden es wieder machen oder empfehlen, wenn man einmal etwas ganz anderes sehen möchte. Allerdings würden wir das nächste Mal die Thatta Thattaha Maha Bawdi Pagoda anstelle des Fountain Gardens anfahren, die außerhalb von Nay Pyi Daw liegt und von der uns aus Zeitgründen abgeraten wurde. Ein einzigartiges Erlebnis ist der Besuch von Nay Pyi Daw auf jeden Fall.
Share this:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert