Besuch in einem K-Pop Universum

SMTown_Seoul2018-005Um uns, nach der für uns langweiligen K-Star Road, doch noch etwas mehr mit für Südkorea identitätsstiftenden Thema K-Pop auseinanderzusetzen, haben wir SM Town besucht. SM Entertainment ist einer der drei großen Macher von K-Pop-Stars. Im Gegensatz zum weltweit bekannten und schon lange Zeit als Künstler tätigen sowie sehr erfolgreichen Psy, der mit seinem Song Gangnam Style sogar den YouTube-Zähler lahm legte, werden die heutigen Künstler von drei Konzernen produziert. 
 
Eigentlich wollten wir eine geführte Tour mitmachen, die im Internet angekündigt wurde. Doch das Mädel an der Kassa vor Ort hatte keinen blassen Schimmer davon. Also haben wir uns selbständig durch die zwei Museums-Stockwerke durchgearbeitet. Außerdem hatten wir vorab schon verschiedene K-Pop-Gruppen auf YouTube und im TV angesehen. 
 

Viele Bandmitglieder

Wir erkannten rasch verschiedene wiederkehrende Muster. Die K-Pop-Macher, die von der Talentesuche über Produktion bis zu den Konzerttouren alles abdecken, wissen wohl ganz genau, welche Merkmale eine Band aufweisen muss, damit sie erfolgreich wird. Also sahen wir auch in der Ausstellung, dass es keine gemischten K-Pop-Bands gibt. Entweder treten ausschließlich Burschen oder ausschließlich Mädels zusammen auf. Außerdem bestehen sie meist aus relativ vielen Bandmitgliedern. Wir hatten mit TVXQ! nur eine einzige Zweimann-Gruppe gesehen. Sonst haben die Truppen sogar bis zu 18 Mitgliedern.
 

Haarfarbenpotpourrie

Dass sie immer voll durchgestylt sind, muss man wohl gar nicht erwähnen. Besonders fielen uns die Haare auf, die in jeder Truppe gut durchmischt sind. Egal ob männliche oder weibliche Band, es ist mindestens ein Bandmitglied mit roten, blonden, weißen, brauen und schwarzen Haaren mit dabei. Sowohl Bekleidung als auch Haare unterscheiden sich damit deutlich von den Menschen im echten Leben. Wir hatten schon mal den einen oder anderen Koreaner mit blonden Haaren gesehen, aber eher selten. Und bekleidungstechnisch haben wir die Koreaner im Alltag – abgesehen von den sehr, sehr kurzen Röcken – eher konservativ wahr genommen.
 
Auch wenn ich mir jetzt gleich verständnisloses Kopfschütteln von allen Musikliebhabern ernte, für mich klingen diese K-Pop-Lieder alle gleich. Was mir dabei gut gefällt, ist die Performance. Für mich ist das ein bisschen wie Ballett oder Gruppentanz, worauf ich ja stehe. 
 

Selfies 

In SM Town haben wir viele freudig aufgeregte Fans gesehen, die jedes einzelne Ausstellungsstück – und da in erster Linie Bilder und Kostüme – mit glänzenden Augen angesehen haben. Aber noch viel wichtiger waren eigene Fotos gemeinsam mit dem Idol. Das ist in einem technologisierten Land wie Südkorea natürlich kein Problem, selbst wenn keine einziger K-Pop-Star vor Ort ist. Die einfachste Variante ist ein Foto vor oder neben dem lebensgroßen Bild eines Stars. Wahlweise lässt man sich fotografieren oder macht ein Selfie. Schließlich werden in diesem Land immer und überall Selfies geschossen. 
 

AR-Fotos

Die beliebtere Variante für eingefleischte Fans sind aber die mittels AR-Technologie erstellten Fotos. Bei den Augmented Reality-Aufnahmen steht man vor einem Bildschirm und sieht sich selbst auf diesem mit einem oder mehreren Bandmitgliedern. Es mutet fast schon an ein reales Treffen an, weil es zuerst immer etwas Geplänkel gibt und nach etwa einer halben Minute wird man dazu aufgefordert, seine Pose einzunehmen. Dann wird das Foto aufgenommen. Mittels QR-Code, den man schon mit der Eintrittskarte bekommt, kann man sich dann in Shop die entsprechenden Bilder in der gewünschten Größe ausdrucken lassen und kaufen. Im Übrigen werden AR- oder Bluebox-Fotoaufnahmen auch bei vielen anderen Touristenattraktionen angeboten und sind offenbar sehr beliebt. Wir ernteten öfter ein unverständiges Kopfschütteln, weil wir schon die Aufnahmen solcher Bilder verweigerten. Es sah so aus, als könnten die Mitarbeiter nicht nachvollziehen, dass wir beispielsweise keine Foto von uns im Ballon fliegend vor dem Lotte World Tower wollten.
 
Was wir bei SM Town allerdings gar nicht verstanden haben: Wir durften mit dem Smartphone jedes beliebige Foto machen, aber fotografieren mit der Kamera war verboten. Wir haben auch gar keine Idee, was der Hintergrund dafür ist. Denn heute machen viele Smartphone-Kameras weitaus besser Bilder als so manche 08/15-Kamera. 
 
Neben den Fotos und Kostüme der von SM Entertainment promoteten K-Pop-Bands konnte man auf Zeitleisten auch die verschiedensten Single- und Alben-Veröffentlichungen sowie Tourneedaten sehen sowie deren Musik-CDs vor Ort hören. Sogar Tonstudios mit Karaoke und ein beispielhafter Tanzsaal fürs Choreografie-Training waren zu sehen. Und nach dem Museum ging es dann für die Fans er so richtig los. Der Merchandising-Shop war nicht nur mit Produkten, sondern auch mit kaufwütigen Fans voll. 
 
Nach dem Besuch der interessanten, aber doch fremden K-Pop-Welt folgte das Kontrastprogramm mit einer anderen Tradition, die ebenso zu Südkorea einfach dazugehört, nämlich Taekwondo.
Share this:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.