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Der höchste Flachland-Berg vom Marchfeld

Was ist die höchste Erhebung von Wien Donaustadt? Richtig, die Deponie Rautenweg. Für alle nicht Wien-kundigen sei erwähnt, dass es hier im flachen Marchfeld keinen Berg im eigentlichen Sinn gibt. Da die Deponie quasi ums Eck von mir liegt, war es schon lange an der Zeit sie in Augenschein zu nehmen. Außerdem passt es gerade perfekt zu meinen Touren über Unkonventionelles Sightseeing in Wien.

Berg aus Beton

Der Claim „Beag aus Mist“ hat sich bald als Unschärfe herausgestellt. Denn der Berg, der ein 45 Meter hoher Hügel ist, ist mehr oder minder aus Beton. Was in den 60iger Jahren eine echte Mülldeponie war ist inzwischen eine Lagerstätte für Rückstände aus den Wiener Müllverbrennungsanlagen. Also Asche und Schlacke die nicht herumfliegen dürfen und deshalb am Rautenweg zu Beton gemacht werden.

Ziegen im Naturreservat

Fährt oder geht man auf der Deponie herum, fühlt man sich aber wie in einem Naturreservat. Alles ist grün bewachsen und mit in der Region heimischen Pflanzen kultiviert. Flora und Fauna sind echt bestechend. Zu einer der niedlichsten Attraktion zählen sicher die Pinzgauer Bergziegen. Diese Tiere waren in den 90iger Jahren schon vom Aussterben bedroht. Aber hier fühlen sie sich so wohl, dass es bereits über 100 Nachkommen gibt, die in ganz Österreich ausgewildert werden konnte.

Bei der Führung wurden wir mich ganz vielen Informationen versorgt, die ich gar nicht alle wiedergeben kann. Bemerkenswert fand ich jedenfalls, dass das Deponiegas in Strom umgewandelt wird, mit dem der Bedarf von 2.500 Wiener Haushalten gedeckt werden kann. Und die 60 Hektar große Deponie wird von nur 30 Mitarbeitern betreut, die von der technischen Betreuung bis zum Rasen mähen alle Arbeiten erledigen.

Blick über Transdanubien

Nach einer Rundfahrt um die Deponie ging es zu Fuß auf den Berg. Bis zur Aussichtswarte. Belohnt wurden wir mit einen Blick über den östlichen Teil von Wien, der von manchem Einheimischen auch Transdanubien genannt wird. Ein Blick über ganz Wien geht sich leider aufgrund der geringen Höhe nicht aus. Bis zu meinem Haus konnte ich aber schon sehen.

48er Museum

Für alle Nicht-Wiener. Die Magistratsabteilung 48 ist in Wien für Abfallwirtschaft zuständig. Davon leitet sich der Name 48er Museum ab. Dort hat mich dann die Nostalgie ein bisschen eingeholt. Denn manche der historischen Fahrzeuge und Mülltonen sind noch nicht ganz so alt und erinnern mich an meine Kindheit.

Steine der Reichsbrücke

Lebhafte Kindheitserinnerung habe ich auch noch an den 1. August 1976. An diesem Sonntag verunglückte nicht nur Niki Lauda, sondern es stürzte auch die Reichsbrücke hier in Wien ein. Und die Reste der alten Reichsbrücke sind auf der Deponie überall zu finden. So auch die alte Straßenbeleuchtung der Kärntner Straße. Und Litfaßsäulen. Oder auch Toilettenanlagen, die zwar aus der Zeit vor meiner Kindheit stammen, aber manche davon noch heute in Betrieb sind.

Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst mal auf den Berg zu klettern, kann sich – so wie ich es getan habe – für eine der perfekt organisierten Besichtigungstouren anmelden. Wer das nicht möchte, kann sich meine Fotos ansehen.

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