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Die 2 Seiten von Hongkong

Wir haben nun 2 Wochen in Hongkong verbracht. Eine knappe Woche in Hongkong Island (die Nordküste der Insel) und eine gute Woche in Kowloon (die Südseite des Festlandes). Unterschiedlicher könnten diese beiden Teile von Hongkong nicht sein.

Klar, sie haben auch Gemeinsamkeiten. Gleiches Land, gleiche Währung, gleiche Sprache. Wobei bei der Sprache merkt man bereits die ersten Unterschiede. Während man auf Hongkong Island mit Englisch so ziemlich überall durchkommt, ist das in Kowloon, abseits der Touristenpfade schon immer wieder ein Problem, wenn man mehr als Yes, No, Please, Thank You oder Good Bye sagt.

Hongkong Island ist die ganz eindeutig britischere, europäischere, weltischere Seite. Kowloon ist massiv chinesischer.

Business Hongkong Island

Hongkong Island ist, vorallem im Bereich Central und rundherum, eine Finanz- & Business-Metropole. Hier gibt es kaum etwas anderes als Bürotürme (und zwar die von der ganz hohen Sorte), Shoppingmalls (und zwar die von der ganz großen und elitären Sorte) und Hotels (und zwar die von der ganz großen und luxuriösen Sorte).

Kowloon holt auf

In Kowloon gibt’s auch riesige und hohe Bürokomplexe, aber eben nicht so neu, modern und hoch. Sondern teilweise wirklich schaurig hässliche, alte, abgewrackte, irgendwie verottende. Dagegen wird aber ganz offensichtlich etwas gemacht. Der neueste und höchste Wolkenkratzer, das International Commerce Center (ICC) steht am neu aufgeschütteten Ufer von Kowloon. Und es gibt einige gigantische Baustellen auf dieser Seite, die ebenso gigantische Bürokomplexe vermuten lassen. Kowloon hat offensichtlich noch wesentlich mehr Potential hinsichtlich möglicher Bauflächen als Hongkong Island.

Und es scheint auch so, als würde die Chinesen, seit dem Abzug der Briten (1997), beginnen, die „chinesische Seite“ Hongkongs zur führenden, zur tonangebenden Seite machen zu  wollen. So als ob sie den Briten quasi im Nachhinein noch die Show stehlen wollen.

Recht sauber

Hongkong darf man sich nicht als saubere Stadt vorstellen. Weit entfernt von Singapur oder Tokyo. Auch Wien ist sauberer. Obwohl es seit den 90er-Jahren sehr massive Kampagnen der Stadtregierung gibt, die Hongkong angeblich enorm viel sauberer gemacht haben. Aber der Unterschied zwischen Hongkong Island und Kowloon ist  noch immer enorm. Kowloon ist deswegen nicht gleich ein Drecksloch, aber wir haben Plätzchen und Gässchen gesehen, die mit jeder vergammelten Müllhalde konkurieren könnten. Auch auf Honkkong Island haben wir echt dreckige Ecken gesehen, aber insgesamt ist es merklich sauberer als Kowloon.

Auf Hongkong Island begegnet man allerorts ausgesprochen chicen und gestylten Menschen. Bezaubernden, natürlich fast ausschliesslich asiatischen Damen, in Business-Kostümen, ausgesprochen adrett und oft geradezu Püppchen. Gestylten Herren in modischen und ausgesprochen eleganten Anzügen.  Sowohl Asiaten als auch Europiden. Und alle in Eile. Würden nicht soviele Asiaten unterwegs sein, könnte man sich auch in London oder New York wähnen. In Kowloon begegnet man vorwiegend anderen Menschen. Abgesehen davon, dass viiieeel mehr Touristen unterwegs sind, sieht man sehr viel mehr „normale“ Menschen. Sehr viel mehr Asiaten und (abgesehen von Touristen) nur wenige „Langnasen“.

Hongkong ist eine zweigeteilte Stadt. Eine Seite ist die westliche Business-Metropole. Völlig abgehoben und unfassbar. Die andere Seite ist ein Zwitter zwischen einer chinesischen und einer wesetlichen Großstadt. Wie ein Puffer zwischen der Volksrepublik China und den westlichen Wirtschaftsgrossmächten.

Trojanisches Pferd?

Vielleicht ist Hongkong aber auch eine moderne Art eines trojanischen Pferdes. Von den Briten zurückgelassen um der Volksrepublik China den westlichen Kapitalismus noch schmackhafter zu machen. Und je länger und intensiver sich China mit Hongkong (und auch Macau) beschäftigt und sie in Form von Sonderwirtschaftszonen weitergedeihen lässt, umso gieriger wird es nach den Verheißungen des Kapitalismus werden und sich nach und nach vom Kommunismus entfernen. Was am Ende der westlichen Wirtschaft gefällt, weil sich damit ein neuer und riesiger Markt auftut. Und es manifestiert den Sieg des Kapitalismus über den Kommunismus.

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