Rundfahrt im Stadthafen von Rotterdam

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Ich, als Bub, assoziiere „Rotterdam“ augenblicklich mit Europas größtem Fracht- bzw. Containerhafen. Deswegen wollte ich, wenn wir schon nach Rotterdam fahren, auch unbedingt eine Hafenrundfahrt machen. Sehr bald herrschte aber Gewissheit, was ich von Anfang an befürchtete: Eine Hafenrundfahrt in Rotterdam hat nichts mit Europas – bis 2004 sogar der Welt – größtem Hafen in Rotterdam zu tun. Dieser, Maasvlakte oder Europoort genannt, liegt nämlich etwa 40 km außerhalb von Rotterdam, an der niederländischen Nordseeküste. Und er ist eher schwer gemeinsam mit Rotterdam zu besichtigen, sondern bedarf wohl eines eigenen Ein- oder gar Mehrtagesausflugs.

Daher stand gemeinsam mit Rotterdam nur eine Hafenrundfahrt im alten, quasi „innerstädtischen“ Frachthafen zur Wahl.

Mehrere Häfen

Rotterdam verfügt demnach über mehrere unterschiedliche Häfen. Direkt in der Stadt, der Oude Haven und der Leuvenhaven, aus dem 19. Jahrhundert, welche heute eher Szeneviertel, mit hippen Lokalen auf alten Kähnen sind. In der Zwischenkriegszeit wurden am Südufer großflächig neue Hafenanlagen entwickelt, beispielsweise Waalhaven und Maashaven, und damit Europas größter Container-Terminal geschaffen. Erst in den 50er-Jahren, nach der Blockade des Suezkanals, wurde dann mit dem Bau des Europoort, an der Nordseeküste begonnen. Er war dann nach dem Hafen von Sao Paulo (Brasilien), der weltweit zweite Hafen, der von riesigen Schüttgutfrachtern wie der Berge Stahl angelaufen werden konnte.

Rundfahrt im Maas-Hafen

Unsere Hafentour fand also leider nicht in diesem Europoort statt, sondern in den älteren Hafenanlagen an der Maas, am Rande von Rotterdam statt. Aber auch diese war sehr interessant.

Juice- & Fruit-Terminal

So erfuhren wir, dass es hier ein sogenanntes „Juice-Terminal“, auch Cool-Port genannt, gibt. Hier wird beispielsweise Orangensaft in großen Tankschiffen aus Brasilien angeliefert und in gekühlte Edelstahl-Tanklager gepumpt. Im Grunde so wie es auch mit dem Erdöl von Öltankern gemacht wird – das wird aber nicht gekühlt. Eigentlich eh‘ schlau, dass nicht die ganzen Orangen um den Erdball geschippert und dann erst hier ausgepresst werden.

Ebenso gibt es ein „Fruit-Terminal“ für den Umschlag eines Großteiles der außereuropäischen Früchte.

Neues Wohnen

Wir kamen an alten, mittlerweile zu kleinen Hafenbecken vorbei, deren Piers (Lloydpier und Müllerpier) in den letzten Jahren revitalisiert und umgestaltet wurden und nun moderne Wohngegenden mit superhippen Apartments sind. Ehrlich, da würde ich auch gerne wohnen.

Wir sahen mächtige Trockendocks, die zur Reparatur der Frachtschiffe dienen. Und wir beobachteten wie ein verhältnismäßig kleines Containerschiff seine Ladung löschte.

Wir kamen an einer kleinen Halbinsel mit Strand vorbei, der Quarantänestation Heijplaat. Dies war ab 1934 eine Einrichtung für Seeleute mit ansteckenden Krankheiten. Heute dient sie angeblich als Künstlerquartier.

SS Rotterdam

Und zuletzt passierten wir noch die, in Rotterdam fix angelegte SS Rotterdam. Dies ist das größte, je in den Niederlanden gebaute Passagierschiff, welches in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Linienverkehr zwischen Rotterdam und New York verkehrte, bis das Fliegen billiger wurde. Heute dient es nur noch als Restaurant, Veranstaltungsort und Sehenswürdigkeit. Es ist schon ein sehr mächtiges Teil, aber natürlich nicht zu vergleichen mit den heutigen, schwimmenden Mega-Hotels wie „Mein Schiff“ oder „Aida“. Aber es versprüht trotzdem noch ein kleines Bisschen „Queen-Elizabeth-Flair“.

Nach etwa 1,5 Stunden waren wieder zurück bei der Spido-Anlegestelle, bei der Erasmusbrücke. Einem der modernen Sehenswürdigkeiten der Gar-Nicht-So-Sehr-Industrie-Stadt Rotterdam.

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2 Responses so far.

  1. Benno sagt:

    Na endlich meldet sich auch der Maulwurf zu Wort:)

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