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Tanz der Buckelwale bei Shag Rocks

Am nächsten Seetag, also am zweiten Tag auf der Fahrt von den Falkland Inseln nach Südgeorgien gab es weiterhin rund ums Schiff wieder nur Meer bis zum Horizont, egal in welche Richtung man sah.

Antarktische Konvergenz

Doch inzwischen waren wir nun aus geografischer und klimatischer Sicht in der Antarktis. Wir hatten nämlich zeitig in der Früh Antarktische Konvergenz überschritten. Das ist jener Bereich, der als zirkumpolarer Strom rund um den Antarktischen Kontinent in östlicher Richtung strömt und damit die Antarktis zu einer eigenen Biospäre macht. Wir selbst haben das weder gesehen noch gemerkt, aber wir wurden vom Expeditionsteam darüber informiert, dass nun die Wassertemperatur um 2 Grad Celsius pro halben Breitengrad sinkt.

Zeitverschiebung

Man mag es kaum glauben, aber das britische Überseeterritorium Falkland Inseln hat eine andere Uhrzeit als die ebenfalls zu britischem Überseegebiet zählenden Inselgruppen Südgeorgien sowie Südsandwich Inseln. Deshalb mussten wir unsere Uhren um eine Stunde vorstellen. Unsere Expeditionsleiterin war so rücksichtsvoll und hat die Umstellung der Zeit auf Mittag statt Mitternacht festgelegt, damit wir in der Nacht nicht eine Stunde an Schlafenszeit verlieren.

Theorie zur Zodiac-Nutzung

Vormittags gab es an diesem Tag wieder einmal eine Pflichtveranstaltung für uns, nämlich die theoretische Einweisung in die Nutzung der Zodiacs, also den kleinen, schwarzen Gummischlauchbooten mit Motor, die uns in Zukunft an Land bringen würden. Am nächsten Tag stand nämlich die erste sogenannte nasse Anlandung bevor. Das heißt, die Boote fahren mit uns bis zum Ufer einer Insel und dort müssen wir beim Aussteigen im Uferbereich ins Wasser steigen. Deshalb hatten wir ja auch alle Gummistiefel erhalten.

Professionelle Expeditionsorganisation

Außerdem wurden wir in die vier Gruppen A, B, C und D eingeteilt, damit bei den Landgängen nicht 100 Personen gleichzeitig zu den Zodicas drängen. Das ist eines von zahlreichen Beispielen, wie wohlüberlegt und professionell hier alles organisiert war. Es gab auch Ausdrucke am grauen Brett, Durchsagen, die überall im ganzen Schiff zu hören waren, interessante Vorträge, eine Fragebox für anonyme Fragen und natürlich konnten wir jederzeit allen Teammitgliedern Fragen stellen.

Entspannungstag

Da es an diesem Tag nur einen verpflichtenden Programmpunkt gab und wir außer einem Vortrag über Pinguine an den weiteren Themen – wie Vögel und Wolken zählen – nicht interessiert waren, habe ich diesen Tag genutzt, um mal ordentlich auszuschlafen. Also wirklich stundenlang dösen und schlafen und so ein bisschen des fehlenden Schlafes vom letzten halben Jahr aufzuholen. Vielleicht lag es auch an der Tablette gegen Seekrankheit, die ich am Vorabend in Kombination mit dem Glas Sekt beim Kapitänsempfang genommen hatte. Jedenfalls hatte ich seit langem wieder einmal einen sehr erholsamen Tag.

Beim täglichen Recap, also einer Zusammenkunft um zirka 18 Uhr, bei der Highlights des Tages zusammengefasst wurden, gab es auch immer das Briefing, also einen Plan für den kommenden Tag. Auch Prognosekarten zu Wind und Wellengang gab es täglich, weil das Programm immer auf die aktuellen Wetterbedingungen abgestimmt wurde. Jedenfalls ging es nach Recap und Briefing immer direkt zum Abendessen, dessen Beginn der Restaurantleiter immer mit viel Elan ankündigte und Guten Appetit in Englisch, Deutsch, Russisch und Chinesisch. Also in allen vier Sprachen, die an Bord offiziell durchgesagt wurden bzw. in denen auch die Informationen des Recaps und Briefings per Quietvox – also kleine Funkgeräten mit Mann im Ohr – angeboten wurden.

Buckelwale bei Shag Rocks

Gerade als wir mit dem Abendessen fertig waren und noch die letzten Schlucke unserer Getränke zu uns nahmen und interessante Gespräche führten, kam die Durchsage, dass wir nun an den Shag Rocks vorbeifahren. Kurz haben wir überlegt, ob es sich auszahlt, wegen ein paar Steinen die unterhaltsamen Gespräche zu unterbrechen. Natürlich haben wir es trotzdem getan. Wenn man zwei Tage zu jeder Zeit rund ums Schiff nur Wasser und Himmel sieht, sind schon ein paar Felsen eine echte Abwechslung. Und es hat sich voll gelohnt. Gar nicht so sehr wegen der Felsen. Sondern weil gerade rund 25 Buckelwale vorbei kamen. Es wirkte wie eine Inszenierung.

Neben dem faszinierenden Anblick dieser eleganten schwimmenden Säugetiere ist auch die Dynamik unter den Menschen an Bord voll spannend. Rund 100 Personen sehen gespannt aufs Wasser und ein freudiges erstauntes Raunen geht durch die Menge, wenn man den Blas, den Rücken und noch besser die Schwanzflosse, die sogenannte Fluke, dieser Tiere sieht. Dazwischen ist es ziemlich ruhig und alle verbindet dieses besondere Erlebnis.

Verdunkelung

In Vorbereitung auf die stark mit Tieren bewohnten Südgeorgischen Inseln mussten wir bereits an diesem Abend alle Vorhänge schließen und geschlossen halten, damit vor allem Vögel durch nicht natürliches Licht beeinflusst werden und somit ihre Orientierung nicht gestört wird. Jetzt hieß es nur mehr einmal schlafen und dann konnten wir endlich in die antarktische Tierwelt ganz tief eintauchen.

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4 Gedanken zu „Tanz der Buckelwale bei Shag Rocks

  1. Hallo, das muss sehr beeindruckend gewesen sein mit den Buckelwalen. Auch die großen Felsen schauen toll aus, wenns plötzlich aus dem Wasser ragen. Danke für die Bilder! lg Lilly

  2. Hallo! Aus welchen Ländern waren denn die Mitreisenden so? Waren die russischen und chinesischen Durchsagen wirklich notwendig?
    Die Wale sind herrlich!!! Ich stell mir grad 100 Mitreisende vor, die alle auf einer Schiffsseite mit den Fotoapparaten über die Reling hängen und das Servicepersonal, dass auf der anderen Seite des Schiffes versucht, das Gleichgewicht zu halten 😉
    Liebe Grüsse

    1. Wir hatten 5 Russen an Bord, die offenbar kein Wort einer anderen Sprache beherrschten. Und 5 Chinesen und 2 Taiwanesen bzw. 4 Leute aus Hong Kong, die möglicherweise nicht so gut Englisch können. Ich habe es nett gefunden, dass sie Durchsagen auch in anderen Sprachen machten. Zumal ich dort einen wahnsinnig präpotenten Australier traf und auch bei den Amerikanern bemerkt habe, dass sie davon ausgehen, dass die ganze Welt automatisch Englisch spricht. Obwohl 3 x mehr Menschen auf der Welt Chinesisch als Muttersprache haben.

      Interessanterweise gab es 13 Schweizer, 10 Deutsche und 8 Österreicher.
      29 US-Amerikaner, je 9 Australier und Kanadier, 6 Briten, 3 Neuseeländer.
      3 Luxemburger – auch beachtlich für so ein Miniland.
      Der Rest waren mehr oder minder Einzelpersonen aus Japan, Mexiko, Niederlande, Slowakei und Schweden.

      Also angeblich macht das diesem Schiff gar nichts, wenn 100 Personen zur gleichen Zeit auf einer Seite stehen. Weil das Schiff so schwer ist, dass ein „paar“ Menschen das Schiff nicht kippen können.
      Aber mir vorzustellen, wenn sich die Crew wirklich auf die andere Seite zum Ausgleich schmeißen müsste, finde ich total lustig.

      1. Wäre lustig, wenn die Crew immer auf der anderen Seite des Schiffs sein müsste, damit wir nicht kippen.
        Das Schiff hat aber etwa 700 Tonnen Verdrängung, da fallen die bestenfalls 20 Tonnen von Crew und Passagiere sicherlich nicht ins Gewicht. Wobei ich überzeugt bin, dass es Sonsoren auf er Brücke gibt, die darüber informieren und einen entsprechenden Trim einleiten.

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