Der Weg führt uns heute weit in den Westen von Shanghai in eine über 1.700 Jahre alte historische Kanalstadt. Zhujiajiao ist zwar 45 km entfernt, trotzdem können wir sie ganz einfach mit der U-Bahn erreichen. Die Fahrt dauert über eine Stunde, kostet aber nur 1 Euro.
Die letzten Stationen fährt die Bahn oberirdisch und so können wir auch etwas von der nicht so städtischen Landschaft Shanghais sehen. Stillgelegte Baustellen, Hochhäuser, Reihenhäuser, das weitläufige Gelände vom Panda-Firmengelände und ganz viel Grünfläche.
Die eigentliche historische Wasserstadt ist von der U-Bahn-Station Zhujiajiao noch einen guten Kilometer entfernt, den wir zu Fuß dahinschlendern. Dabei sehen wir schon in den einen oder anderen Kanal hinein und bekommen ein Bild, wie die Umgebung der Wasserstadt aussieht.
Gute Mischung aus Amsterdam und Hoi An
Das historische Zhujiajiao ist sehr süß. Die Wassergässchen sind üppig mit Pflanzen gesäumt, zahllose ganz kleine Läden säumen die schmalen Gässchen und überall bieten die Geschäfte Getränke, Snacks und Souvenirs an. Auch wenn es oft als Venedig von Shanghai bezeichnet wird, für uns wirkt es viel mehr nach einer Mischung zwischen Amsterdam, Niederlande und Hoi An, Vietnam.
Brücken
Hier gibt es 36 Brücken, die meist sehr entzückend aussehen. Das Wahrzeichen von Zhujiajiao ist die Fangsheng-Brücke. Das ist hier die größte und längste Steinbrücke mitten im Dorf. Mir persönlich haben die kleinen Brücken viel besser gefallen, als die große überlaufene und gar nicht so schmucke Fangsheng-Brücke. Beeindruckend ist ihre Größe jedoch auf jeden Fall.
Lost Place
Wir gehen bald nicht mehr die üblichen Gassen, die alle gehen, sondern sehen uns abseitige Gassen an, die oft komplett leer und auch sehr schnuckelig sind. Irgendwann kommen wir dann zu einem Teil, der nach Neubau aussieht und gleichzeitig total verlassen wirkt. Schon beim Eingangsbereich zu diesem Teil gibt es Becken für Wasser, Springbrunnen sowie Wasserläufe durch die Gassen, die jedoch komplett leer und schon etwas verfallen wirken.
Andreas hat sofort recherchiert, um herauszufinden, was hier passiert ist. Und so wissen wir bald, dass wir mitten im gescheiterten Großprojekt „Zhongnan Zhuli Yaji“, was in etwas „Elegantes Märchenland Shanghai“ bedeutet, stehen. Es ist wie zahlreiche andere chinesische Projekte aufgrund der Immobilienkrise fehlgeschlagen. Wir finden das sehr schade, weil man sieht, was für ein schönes Wohngebiet das hier wäre.
Abends wird es ruhig
Jedenfalls kehren wir dann wieder in den historischen Teil von Zhujiajiao zurück und merken, dass so um 16 Uhr immer weniger Touristen unterwegs sind. Jetzt lässt es sich noch entspannter durch die kleinen Gassen streifen und fotografieren wird damit auch immer besser. Wir gehen jetzt in ein ganz gemütliches Lokal, mit direktem Blick aufs Wasser und einer hübschen kleinen Brücke und haben hier unser Abendessen. Es ist total entspannt, das Plätschern von Wasser und chilliger Musik im Hintergrund machen die Abendstimmung perfekt.
Als es schon dunkel ist brechen wir auf und sehen Zhujiajiao jetzt noch mit stimmungsvoller Beleuchtung. Das ist wirklich entzückend. Als wir das Städtchen verlassen, begegnen uns vier Chinesinen, die uns bei der U-Bahn-Anreise gegenübers saßen. Fröhlich begrüßen wir uns gegenseitig und ziehen gleich weiter.
Taxi von Geisterhand gebucht
Da es jetzt leicht nieselt und der Weg zur U-Bahn in der Dunkelheit keinen Reiz hat, versuche ich mit der Alipay App und der Didi App ein Taxi zu rufen. Ich mache das ein paar Mal, bis es funktioniert, kann aber nicht mehr feststellen, wie ich das geschafft haben. Jedenfalls bringt uns ein Taxi zum richtigen Ziel, also zur U-Bahn-Station Zhujiajiao. Eine gute Stunde später sind wir dann mit vielen tollen Eindrücken nach einem schönen Wasserstadt-Besichtigungstag wieder zurück im Zentrum von Shanghai.