Der lange Reisetag nach Bumthang

Mongar-Bumthang-2019-177
Der wahrscheinlich längste Tag im Auto bei unserer Reise quer durch Bhutan begann bereits mit der Abfahrt um 8 Uhr. 
 

Von Ost- nach Zentralbhutan

Konkret ging es von Mongar, das noch in Ostbhutan liegt nach Bumthang in Zentralbhutan. Das bedeutet auch von der subtropischen Region, in der es viel wärmer als erwartet war in die alpine Region, wo es auf jeden Fall viel kälter sein sollte. Zuerst ging es noch hinunter bis 900 Höhenmeter und später auf den Trumshing Pass, der auf 3.800 Höhenmeter liegt. 
 

Zwiebelschalenprinzip

Auf dieser langen Strecke, die stark zwischen tiefen und hohen Regionen wechselt, ist es unbedingt notwendig, bei der Bekleidung das Zwiebelschalenprinzip zu berücksichtigen. Während man in den niedrigeren Gebieten manchmal noch im T-Shirt schwitzt, ist es weiter oben und vor allem auf den Pässen immer eiskalt und extrem windig. Da brauchten wird dann auch schon einen Pulli und eine Jacke.
 

Karmamaschine

Obwohl so eine lange Autofahrt sehr anstrengend ist, bietet sie auch viele spannende Dinge. Eines davon sind die Gebetsmühlen, die im wahrsten Sinne des Wortes wie Mühlen funktionieren. Und zwar stehen kleine Häuschen am Straßenrand, durch die ein Bach fließt. Und statt einem Mahlstein wird die Gebetsmühlentrommel angetrieben. Andreas nennt sie automatische Karmamaschinen, weil man sich die Arbeit, solche Gebetsmühlen mit der Hand zu drehen erspart und trotzdem unentwegt gutes Karma produziert wird. 
 
Laufend finden sich in den Schluchten kleinere Wasserfälle, die meist recht entzückend von Mutter Natur arrangiert wurden. Außerdem haben wir zwei wirklich große impossante Wasserfälle gesehen. Auf rund 2.700 Höhenmeter hat dann die Vegetationszone von subtropisch auf alpin gewechselt.
 

Kleiner Zoo auf der Fahrbahn

Unterwegs sind uns auch immer wieder Tiere mitten auf der Straße begegnet. Allen voran Kühe und Hunde, die hier überall herumspazieren und auch schon einmal den Weg versperren. Unser Fahrer muss sie dann kunstvoll umfahren. Einmal ist uns sogar ein Affe vors Auto gesprungen. Und besonders beeindruckend war ein Yak, dass ziemlich wuchtig und gefährlich aussehend am Straßenrand stand. Zu den Yaks dürfen wir nicht zu nahe heran, da sie offenbar recht aggressiv und gefährlich sind.
 

Grundwerte Bhutans

Inzwischen sind wir auch durch eines der vielen Nationalparkgebiete gefahren, was in Bhutan nicht schwer ist, weil rund 50 Prozent der Landesfläche Nationalpark sind. Für Bhutan ist überhaupt Naturschutz ein wichtiges Thema. Er gehört zu den vier Punkten, die auch den vier Juwelen in der Flagge entsprechen. Die vier Juwelen entsprechen den vier Säulen des Bruttonationalglücks, welche soziale Gerechtigkeit, Bewahrung und Förderung kultureller Werte, Schutz der Umwelt sowie eine gute Regierung sind.
 

Auf der Alm

Unsere Mittagspause machten wir an diesem Tag am 3.600 Meter hoch liegenden Shertang Pass, wo es wie auf einer Alm bei uns in Österreich ausgesehen hat. Es war so richtig beschaulich mit einem Toilettenhäuschen, das in der Mitte der wenigen Hütten stand. Im Restaurant sollten wir eigentlich in einem Nebenraum sitzen, der ganz uns alleine gehören sollte. Doch da es in dieser Höhe schon so kalt ist, haben wir entschieden, dass wir im großen Gemeinschaftsraum sitzen wollen, so es ein ordentlich beheizter Holzofen sehr kuschelig machte. 
 
Wir haben dort drei Motorradfahrer getroffen, die mit ihren Royal Enfields – früher britische und heute indische Motorräder – unterwegs waren und haben mit ihnen ein wenig geplaudert. Der Guide erzählte uns, dass er sogar für Touristen Motorradtouren in Bhutan anbietet. Wenn die Straßen einmal ausgebaut und nicht mehr ständig von Schotterstücken mit Schlaglöchern unterbrochen sind, ist so eine Tour jedenfalls eine Überlegung wert.
 

Zweithöchster Pass von Bhutan

Nun überquerten wir den zweithöchsten Pass des Landes, den Trumshing Pass. Auf 3.800 Höhenmeter war es nicht nur schon extrem kalt, sondern es lag sogar Schnee. Als wir ausstiegen, hatten wir das Gefühl, wir würden ein wenig schwanken und das Atmen war auch viel anstrengender als gewöhnlich. Jedenfalls ist es ein Erlebnis, wenn man am Vormittag noch im T-Shirt herumgelaufen ist und nachmittags dick eingepackt Schneebälle werfen kann. Für Andreas war es auf jeden Fall der höchste Punkt auf Erden, den er bisher betreten hat. Für mich kann ich es nicht genau sagen, weil das Schigebiet am Matterhorn, wo ich als Jugendliche war, etwa auf gleicher Höhe liegt.
 

Kuschelige Holzöfen

Nach dem Ura Tal und dem Ura Pass waren wir dann endlich in Bumthang, dem Bezirk, der unser Ziel war. Völlig erschöpft haben wir in der Stadt Jakar in das entzückende, vor allem aus Holz gebaute, Hotel Wangdicholing Resort eingecheckt. Dort war im Speisesaal schon ein großer Holzofen, der knisternd wohlige Wärme verbreitete. Und auch in jedem Zimmer war ein kleiner Holzofen, der auch schon für uns angeheizt war, als wir unsere Zimmer bezogen. Vor jeder Türe steht eine Kiste mit Holzscheiten zum Nachlegen.
 

Abgebrannt

Wahrscheinlich wäre es in Österreich aus brandschutztechnischen Bedenken nicht erlaubt, dass Touristen in einem Holzhaus mit offenem Feuer hantieren. Da sind die Bhutaner offenbar viel sorgloser. Wenn sie das nicht wären, dann wäre vielleicht auch nicht der Ortsteil Chamkhar im Oktober 2010 gleich zwei Mal abgebrannt.
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7 Responses so far.

  1. Lilly sagt:

    Hallo,
    Na das sind schon arge Höhen und Temperaturunterschiede, da muss man Kreislauf massig schon auch gut beieinander sein. Zuerst kurzärmelig dann Schnee, mein Blutdruck würde ausflippen.

    Gut dass der Ofen zumindest in einer Stahlwanne steht, hat sogar schon einen Riss.

    Habts aber jetzt ein gemütliches Zimmer bekommen, zumindest sieht es am Foto so aus.
    Hat der Penis eine bestimmte Bedeutung, weil dort so offensichtlich und groß angebracht ist ?

    Liebe Grüße
    Lilly

  2. Benno sagt:

    Wie immer ganz tolle Berichte und Fotos, die zum Nachmachen animieren.
    Nur was ist mit Maulwurf los? 😉

    • Maulwurf sagt:

      Lieber Benno!
      Schön, dass es Dir wieder gefällt. Ich glaube, dass Dir dieses Land auch gefallen könnte, jedoch wird’s Dir hier wohl meistens zu kalt sein.
      Vom Maulwurf gab’s bis jetzt keinen Bericht, weil hier gibt es keine Wolkenkratzer, keine Bahn, daher auch keine Hochgeschwindigkeitszüge, keinen Hochseehafen, eigentlich gar nichts irgendwie technisch Interessante. Und auch keine wirklich skurrilen Sachen. Es gibt lediglich sehr hohe Berge und sehr hohe Pässe.
      Aber vielleicht gibt es in den nächsten Tagen von mir etwas zum Thema Bogenschießen.
      Liebe Grüße, Andreas

  3. Doris sagt:

    Hallo! Also wie ist das jetzt mit dem Nationalglück? Habt ihr das Gefühl, dass die Einheimischen wirklich glücklicher sind als in vergleichbaren Ländern oder sind das nur Schlagworte, mit denen man die Bevölkerung zulabert? Generell wirkt das Land zwar sauber und friedlich, aber doch sehr einfach (so wie du’s ja auch bei deinem Kommentar über die Hotels geschrieben hast). LG Doris

    • Maulwurf sagt:

      Liebe Doris!
      Glücksforschung können wir hier natürlich keine betreiben. Und die Bevölkerung direkt befragen geht auch nicht so leicht. Aber grundsätzlich wirken die Menschen hier schon sehr entspannt und zufrieden. Soweit der erste Eindruck.
      Das Paradies auf Erden ist es sicherlich auch nicht. Aber alleine schon der Umstand, dass das Thema „Glück“ hier so thematisiert wird, macht es automatisch präsenter. Ebenso, dass Kapitalwirtschaft, Leistungsorientiertheit und Gewinngier hier nicht so angefacht werden, wie in unserer westlichen Welt, macht das Leben hier wohl auch angenehmer.
      Über Details dazu sollten wir bilateral sprechen, das würde den Rahmen der „Kommentare“ sprengen.
      Liebe Grüße, Andreas

  4. Doris sagt:

    Noch eine Frage: wie sehen denn die Buddha-Statuen dort aus? Die dicklichen Grinser oder die hochgewachsenen schlanken, die sie z.B.in Thailand haben? LG Doris

    • Maulwurf sagt:

      Liebe Doris!
      Dicken Grinser haben wir hier noch keine gesehen.
      Wenn überhaupt Buddha, dann eher die schlanken, eleganten, meist goldenen, die es auch in Thailand gibt.
      Meistens aber eher jene, sehr bunten, die man auch in Indien sieht. Und oft gar nicht Buddha selbst, sondern Guru Rinpoche, welcher die Lehren Buddhas aus Tibet nach Bhutan brachte.
      Liebe Grüße, Andreas

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