Die Klöster von Rangjung

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Unser erster Blick aus dem Hotelfenster des Druk Deothjung Resort war großartig. Einerseits strahlte die Sonne und andererseits hatten wir so weit oben einen großartigen Ausblick auf die Stadt Trashigang und auf das Tal. Voll motiviert starteten wir also in den Tag. Unser bhutanischer Guide Ngawang erklärte uns vorweg den Unterschied zwischen Tempel, Kloster und Dzong. Alle drei sind buddhistische Stätten. Im Tempel gibt es nur einen Tempeldiener, im Kloster leben Mönche und die Dzongs beherbergen neben den Mönchen zusätzlich noch die Bezirksverwaltung. 
 

Idyllisches Örtchen Rangjung

Der erste Ort, den wir heute besuchten, war Rangjung. Wie alle bisher von uns gesehenen Orte ist er sehr klein und überschaubar. Wenn man rasch geht, ist man schon in ein paar Minuten durch. Doch das tun wir natürlich nicht. Denn gerade in einem Land wie Bhutan geht es überall ruhig und beschaulich zu und es tut außerordentlich gut, sich davon anstecken zu lassen. Also schlenderten wir durch die Dorfstraße und sahen zwei Frauen, die gemütlich am Grasstreifen vor dem Haus saßen und gerade das Haar der einen mit Henna färbten. Andere plauderten miteinander und bei einem Laden zeigte uns unser Guide ein paar Teile von Bögen und ein paar Pfeile. Dazu muss man wissen, das Bogenschießen in Bhutan Nationalsport ist. Interessanterweise hing an genau diesem Laden ein Zettel, dass hier auch Geburtstagstorten bestellt werden können. 
 

Bunte Klöster

Das Kloster Woesel Choling Dratshang ist eines der wenigen privaten Klöster. Das war wohl der Grund, warum uns die beiden Mönche erlaubten, auch im innersten Raum, und damit am heiligsten Ort einer religiösen Stätte, zu fotografieren. Auch wenn wir erst wenige Klöster in Bhutan gesehen haben, können wir schon sagen, dass sie alle sehr bunt gestaltet sind. Im Übrigen sind sie auch im Eingangsbereich und Außenbereich an vielen Stellen sehr farbenfroh. Mir gefällt das Bunte besonders gut. Es ist wunderschön für mich, weil es so freundlich und fröhlich ist. Und ich finde, gerade ein religiöser oder heiliger Ort sollte besonders freundlich sein.
 

Butterkerzen aus Palmöl

Anschließend zündeten wir in einem Nebenhaus gemeinsam 108 Butterkerzen für den vor zwei Tagen verstorbenen Neffen unseres Guides an. Der ganze Raum war mit Kerzen in verschiedenen Größen voll gestellt, die alle von den Mönchen selbst hergestellt sind. Übrigens werden Butterkerzen heute nicht mehr aus Butter, sondern aus Palmöl hergestellt, um zu verhindern, dass alle Wände und Decken durch die stark rußende Butter ganz rasch schwarz werden. 
 

Wäsche am stillen Örtchen

Klöster nutzen wir auf unserer Reise auch immer wieder für einen Toilettengang. Viele andere Möglichkeiten gibt es in Bhutan nicht, da es hier keine öffentlichen Toiletten gibt. So dürfen wir die mehr oder minder privaten Toiletten benutzen. Also jene, die zu den Behausungen der Mönche gehören. Toilette heißt hier natürlich eine Keramik, die im Boden eingelassen ist und daneben stehen Kübel, Schöpfgefäß und Wasserhahn für die Spülung. Kurios war bei dieser Toilette die frische gewaschene Mönchsrobe, die direkt über dem Porzellan hing.
 

Nonnenkloster

Nach einer kurzweiligen Fahrt erreichten wir das Nonnenkloster, dem der gleiche Abt vorsteht, wie dem eben besichtigte Männerkloster. Allerdings gibt es in Bhutan nur wenige Frauenklöster. 
Durch ein schmiedeeisenes Tor betraten wir das Gelände und spazierten gemütlich zu Fuß bis zum Kloster, in dem rund 100 Nonnen leben. Im Tempelraum erfuhren wir, was es bedeutet, wenn sich Buddhisten in einem Tempel nach dem Eintreten mehrere Male auf den Boden werfen. Und zwar geht es darum, die fünf menschlichen Eigenschaften, Neid, Gier, Eifersucht, Hass und Dummheit, die immer wieder zu Tage treten, los zu werden. Deshalb berührt man dabei mit zwei Knien, zwei Händen und der Stirn – also fünf Punkten – den Boden. Nachdem uns Ngawang die im Nonnenkloster vorhandenen Buddhafiguren erklärte, gab die Nonne noch eine Runde Weihwasser aus.
 
Danach wäre eigentlich ein Picknick geplant gewesen, doch das wurde in einen kleinen Raum in einem Nebenhäuschen des Nonnenklosters verlegt. Alles was übrig blieb, bekamen die Nonnen als Spende. Sie leben ausschließlich von Spenden. Doch im Gegensatz zu den Mönchen und Nonnen in Myanmar, gehen die Klosterbewohner nicht jeden Tag auf Spendensammeltour. Manchmal veranstalten sie Rituale in den Häusern der Einheimischen, wofür sie natürlich Spenden erhalten. So ganz klar ist mir das nicht, ob sich das wirklich alles gut ausgeht. 
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5 Responses so far.

  1. Doris sagt:

    Hallo! Also ich find das Land einfach nur genial. Allein schon von den Fotos bekommt man einen total friedlichen und entspannten Eindruck. Behaltet den entschleunigten Ansatz bei… liebe Grüsse von einer ebenfalls entschleunigten, weil grippigen Doris

    • Maulwurf sagt:

      Liebe Doris!
      Es ist gar nicht möglich in diesem Land zu „beschleunigen“. Da geht nix schnell und Hektik gibt’s auch keine.
      Fein, wenn Dir die Bilder gefallen. Sind fast alle Susannes Werk. Es gibt hier auch wirklich schöne Motive.
      Gute Besserung. Tu‘ Dich wieder „entgrippen“.
      Liebe Grüße, Andreas

    • Sue sagt:

      Gute Besserung und genieße die Entschleunigung, so lange es geht!
      Alles Liebe,
      Sue

  2. Rockenbauer Cäcilia sagt:

    Hallo,
    Ich bin entzückt, ich habe die Pflanze Callistemon entdeckt ( neben den mit Steinen befestigten Wellendach, Rote Kolbenblüten ); zumindest sieht es nach dieser Pflanze aus. Bin ganz verwundert, weil diese normalerweise in Australien beheimatet ist. Und noch dazu einen Euphorpia pulcherima (Weihnachtsstern ) . Sehr cool !
    Echt eine tolle Aussicht von da oben. Weiterhin spannende Erlebnisse und viel Spaß !
    lg Lilly

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