Ein Liebesbrief an Tokyo

Nachdem ich mit French Kiss ein Resümee über Neukaledonien gezogen habe, steht jetzt auch eines  über Japan an. Also eigentlich über Tokyo. Denn Tokyo war bei den 3 Wochen Japan mit 14 Tagen Aufenthalt eindeutig mein Favorit. Da ich über die Hauptstadt Nippons über so viel Schönes berichten und schwärmen kann, schließe ich meine Japan-Reise mit einem Liebesbrief an Tokyo ab.

Hallo du wunderbares Tokyo!

Eigentlich warst du nur als Zwischenstopp meiner Reise nach Neukaledonien gedacht. Die Idee, hier einen Stopp Over einzulegen, war wohl einer meiner besten. Denn ich habe mich voll in dich verliebt. Obwohl du mich bei meiner Ankunft mit Schneefall empfangen hast. Trotzdem ich am Anreisetag von 25 Grad auf 5 Grad abgekühlt wurde, hast du mein Herz vom ersten Augenblick an erwärmt.

Natürlich hatte ich mit Andreas einen kongenialen Reisepartner. Er hat dich bereits vor 15 Jahren kurz kennen gelernt und hat sich – bevor wir uns hier bei dir getroffen haben – bereits 2 Monate intensiv auf dich vorbereitet. Glücklicherweise hast du ihn genauso sehr wie mich beeindruckt.

Fast verblüht

P1020802Leider muss ich mit einer kleinen Kritik beginnen. Wir wollten unsere Reise eigentlich mit einer prachtvollen Sakura (japanischen Kirschblüte) starten. Der April ist eigentlich der ideale Monat dafür. Doch du hast es dieses Jahr extrem früh blühen lassen und so konnten wir zwar noch einige rosa blühende Bäume erleben. Doch Hanami (das japanische Kirschblütenfest) war leider schon gefeiert. Du musst mir versprechen, dass du mir das nächste Mal nicht davon eilen wirst 😉

Liebes Tokyo, wir durften 14 Tage lang eine faszinierende Kombination aus Tradition und Moderne erleben. 2 Wochen sind zwar keine Ewigkeit, aber sicher mehr, als ein typischer Japaner als Tourist für eine ganze Europa-Reise aufwendet. Und da sind wir schon beim Thema. Den Japanern.

Unglaublich ehrlich

Der erste Eindruck deiner Bewohner ist großartig und er hat bis zum Schluss gehalten, was er anfangs versprochen hat. Deine Einwohner sind extrem freundlich, höflich und außergewöhnlich ehrlich. Ob es der Mann ist, der mir extra mein Portemonnaie nachgetragen hat, das ich am U-Bahn-Sitz liegen gelassen habe. Oder all die Menschen, die in Starbucks & Co. mit Handtasche oder Laptop ihre Sitzplätze reservieren. Nie würde jemand diese Sachen auf die Seite schieben, um sich selbst Platz zu schaffen noch etwas dieser recht wertvollen Gegenstände mitnehmen. Selbst einen Schirm habe ich nach einer Stunde noch immer an dem Platz gefunden, wo ich ihn vergessen hatte. Von diesem vorbildlichen Verhalten können sich alle Menschen ein Scheibchen abschneiden.

Stutzen & Heidi-Augen – „so cute“

Ins Auge gesprungen sind uns gleich deine jungen Tokyoterinnen. Was bei uns eher einen verwirrten Modegeschmack zeigt, ist bei dir quasi ein Must. Stutzen zu jeder Art von Schuhen. Egal ob Sandalen, Pumps oder Sneakers. Schlussendlich hat es uns gefallen. Es sieht eigentlich echt putzig aus. Und „so cute“ wie deine Bewohnerinnen sind auch die Augen der Mangas und Animes. Du hast mich unerwartetes gelehrt und mir voll faszinierendes gezeigt. Erstens wusste ich bis dato nicht, dass Heidi von Japanern gezeichnet wurde. Und zweitens kannte ich Cosplay nur vom Hörensagen. Jetzt habe ich es hautnah erlebt. Jene Menschen, die einen Charakter aus einem Manga, einem Anime, einem Videospiel oder einem Spielfilm darstellen und diesen durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu darstellen. Danke Tokyo dafür!

Traditionelles & modernes

P1030890Womit du mir auch eine große Freude gemacht hast, sind die unendlich vielen Tempel, die du für mich bereitgehalten hast. Ich liebe Tempel sowieso. Die Vielfalt, die du mir geboten hast, hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Natürlich habe ich auch ein paar Orakel bedient. Ich glaube, ich habe da ausreichend Wünsche ans Universum geschickt 😉

P1050177Neben der Jahrtausende alten Kultur beeindruckst du ebenso mit technischem Fortschritt und für mich ganz neuen Innovationen. Sei es die Fahrten mit dem berühmten Hochgeschwindigkeitszug  Shinkansen, die wohl jeder Japan-Reisende auf seiner ToDo-Liste hat aber auch Odaiba. Dein neuester Stadtteil, der auf dem Reißbrett entworfen und auf einer künstlich aufgeschütteten Insel errichtet ist. Oder die Vendingmachines, die uns an jeder Ecke mit Getränken versorgt haben.

Toiletten unter Strom

Und da wären wir schon beim nächsten Thema, mit dem du mir das Leben unglaublich erleichtert hast. Den Toiletten. Was in vielen anderen Städten, die ich schon besucht habe, oft ein wirklich unangenehmes Problem ist, ist das Finden und benutzen von Toiletten. Quasi an jeder Ecke findet man sie und es ist eine Freude sie zu benutzen. Denn sie sind immer total sauber und hygienisch gehalten und warten mit unglaublichen Features auf, wie beispielsweise Klobrillenheizung, Geräuschkulisse Toilettenspülung, Bidetfunktionen Waschen und Trocknen oder automatische Klodeckelöffnung. Diese ausgefeilte Technik war mir sogar einen eigenen Artikel wert. Um es kurz zu machen. So etwas Geniales habe ich noch nie im Toilettenbereich gesehen und erlebt.

Geisha on Tour

Zum Abschluss hast du mir, wunderbares Tokyo, noch eine großartige Gelegenheit gegeben kurz in die Rolle einer traditionell gekleideten Japanerin zu schlüpfen. Ich hätte nicht gedacht, dass das Anziehen eines Kimonos inklusive einer passenden Frisur eine ganze Stunde dauert. Es war echt interessant zu beobachten, wie die drei Tokyoterinnen, die nur halb so groß wie ich waren, das Gewand mit vielen Schichten und Schnüren gewickelt und gebunden haben.

Gemeinsam mit Andreas, der ebenfalls mit Kimono ausgestattet war, hast du uns einen wunderbaren Tag beschert. Wir wurden überall freudig bestaunt, fotografiert und mit Komplimenten überschüttet. Das ist wohl so, als wenn Japaner in Österreich Dirndl und Lederhose ausborgen.
Damit hast du uns einen großartigen Tag beschert, der den Abschied von dir eigentlich noch ein Stück schwerer gemacht hat.

Wiedersehen geplant

Schweren Herzens haben wir uns dann von dir getrennt, weil unsere Flüge zurück nach Wien schon gebucht waren. Hätten wir Open End-Tickets gehabt, wären wir sicher noch länger bei dir geblieben.

Ich bin so froh darüber, dass es mich zu dir verschlagen hat. Und abschließend verspreche ich dir, dass ich sicher noch das eine oder andere Mal auf Besuch kommen werde und freue mich jetzt schon auf unser nächstes Wiedersehen!

Danke du faszinierendes Tokyo,
deine Sue

Share this:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.