Jeju mit dem Auto erkundet

DrivingJejuSouthkorea2018-007Susanne hat es in einem früheren Artikel bereits erwähnt, auf der Insel Jeju haben wir uns einen Mietwagen genommen, denn dort gibt es weder U-Bahn noch Bahn. 
 

Bus – keine Option für uns

Als öffentliches Verkehrsmittel gibt es hier nur den Bus. Das Busnetz scheint zwar gut ausgebaut zu sein, aber wirklich praktisch ist das nicht. Und bequem ist es überhaupt nicht, wie wir bereits in Seoul und Busan erleben durften. Hinzu kommt, dass die Sehenswürdigkeiten auf Jeju eher landschaftlicher Natur sind und quer über die ganze Insel verteilt wurden. Somit ist viel Fahrerei erforderlich und das ist mit dem Bus nicht so toll. Weiters haben wir aus anderen Reiseberichten erfahren, dass das Fahren mit Mietwagen die üblichste Form der Fortbewegung auf Jeju für Touristen ist.
Und tatsächlich, sehr bald haben wir erkannt, dass viele der anderen Verkehrsteilnehmer ebenfalls Mietwagenfahrer sind. Anfangs schien es sogar so, als würden überhaupt nur Mietwagen unterwegs sein. Und in der unmittelbaren Umgebung der touristischen Hotspots war es tatsächlich so. Verwirrtes Herumkurven, abrupte Spurwechsel ohne oder mit falschem Blinker, mehr Augen am Navi als auf der Straße, plötzliche Geschwindigkeitswechsel ohne erkennbarer Veranlassung. Es war echt anstrengend. Und die Fahrer um mich herum waren nicht  besser. *grins*
 

Bequem reisen mit Mietwagen

Obwohl wir uns anfangs nicht sicher waren, ob wir es wagen sollten, in einem asiatischen Land am fahrenden Straßenverkehr teilzunehmen, muss ich abschließend feststellen, dass dies wirkliche eine gute, sehr bequeme und gut bewältigbare Art der Fortbewegung ist. Und die Vorteile sind unschlagbar. Man kann den ganzen Kofferraum mit Ausrüstung vollräumen. Vorwiegend bekleidungstechnisch braucht man im Herbst ziemlich viele Sachen mit. Vor allem auf Jeju ändert sich das Wetter schnell und oft. Zwischen heftigem Sonnenschein und ebenso heftigem Regen, sowohl senkrecht als auch waagrecht, hatten wir alles. Und so war’s gut, dass wir auch entsprechende Kleidung mit hatten.
Zweiter großer Vorteil: Man kann auch bei schlechtem Wetter sehr bequem von einem Ort zum anderen gelangen, ohne sich dabei in seine Einzelteile aufzulösen oder vom Sturm von der Insel geblasen zu werden. Im schlimmsten Fall bleibt man im Auto sitzen und besichtigt die gerade anstehende Sehenswürdigkeit durch die Scheiben.
Und schließlich ist noch der Vorteil der Zeitersparnis. Egal ob Stau oder gar kein Verkehr, wenn die einzige Alternative der Bus (oder das Taxi) ist, ist ein Mietwagen immer die bessere Wahl.
Einen nennenswerten Nachteil gibt es natürlich auch. Die Kosten. Selbstverständlich ist der Mietwagen um ein Vielfaches teurer als der Bus. 
 
Wir haben unseren Wagen via booking.com organisiert. Die bedienen sich einer Plattform namens rentalcarss.com. Schlussendlich haben wir den Wagen dann bei „Jeju One Car“ gemietet, was sich vor Ort wiederum als „Sixt“ entpuppt hat.
 
Der Prozess der Übernahme des Wagens war eigentlich recht unproblematisch und ziemlich rasch. Als großes Manko habe ich es jedoch empfunden, dass der Sixt-Mitarbeiter der uns „betreut“ hat, seeehr schlecht und undeutlich Englisch sprach. Jedenfalls ist es mir kaum gelungen brauchbare Informationen  aus ihm herauszubekommen. Ich ließ mir am Ende noch aufschreiben (in Koreanisch) wie man das schreibt was ich später in den Tank füllen werden muss um da nicht den kapitalsten aller Fehler zu begehen und den Motor zu schrotten. Mit diesem Zettelchen sah ich mich später vor den Zapfsäulen stehen und die richtige mittels Zeichen-für-Zeichen-Vergleich auszuwählen.
 

Kleiner Kia Morning

Und dann ging’s los. Wir haben uns, nach einigen Diskussionen, für das kleinste und gleichzeitig günstigste Fahrzeug entschieden. Einen Kia Morning. Bei uns ist das Ding unter dem Namen Kia Piccanto erhältlich. Ein wirklich sehr kompakter Kleinwagen, der aber trotzdem mit wirklich allen erforderlichen Kinkerlitzchen ausgestattet war. Automatikgetriebe, das war mir wichtig, weil ich ich mich auf genug andere Sachen zu konzentrieren hatte, da soll bitte der Wagen den Gang selbst aussuchen, er kann das ja. Dann gab’s noch Tempomat, den ich aber nicht brauchte. Sitzheizung, das ist für Susanne immer sehr wichtig. Klimaanlage, was sich vor allem beim starken Regen bezahlt gemacht hat, weil dadurch die Innenraumluft schnell wieder trocken war. Und ein Navi in englischer Sprache und mit englischer Schrift. Manch einer mag jetzt denken „Na, was sonst?“, aber ich las in manchen Reiseberichten von Navis die zwar englisch sprachen, aber nichts auf Englisch anzeigten. Anfangs dachten wir, das Navi werden wir sowieso nicht brauchen, weil wir Smartphones und die App „Naver“ – das koreanische Google Maps – haben. Aber es stellte sich heraus, dass die Radar- und Geschwindigkeitswarnungen und der Spurassistent des eingebauten Navis sehr gute  Dienste leisteten.
Ich wollte ursprünglich ja ein etwas größeres Fahrzeug anmieten, erfolglos. Aber dieses Mini-Fahrzeug hatte tatsächlich einen nennenswerten Vorteil. Es ist so klein und wendig, dass man es auf einer Briefmarke wenden kann und dass man es auch in einer halben Parklücke unterbringen kann. Es hat sich gezeigt, dass das auf Jeju, eigentlich in ganz Korea, ein nicht zu verachtender Vorteil ist. Es ist auf unbekanntem Terrain gar nicht unangenehm, wenn dein Auto bereits kurz nach deinen Zehenspitzen zu Ende ist und nur wenig breiter ist, als Deine Schultern.
 

Unbekümmert tanken

Und so haben wir mit dem Zwergenauto knapp 300 Kilometer kreuz und quer über die Insel und durch das Verkehrsgewusel der Hauptstadt zurückgelegt und es ohne Blech- und Kollateralschäden wieder zurückgebracht. Der finale Tankvorgang hat sich dann auch weniger dramatisch dargestellt als befürchtet. Die meisten Tankstellen auf Jeju haben noch Tankstellenwärter. Für all jene die so etwas noch nie gesehen haben: Das sind Bedienstete an Tankstellen, die den Tankvorgang durchführen und abschließend kassieren. Dadurch bleibt man selbst im Wagen sitzen und schaut bestenfalls dabei zu. Also so ähnlich wie McDrive, nur statt Burger gibt’s Benzin oder Diesel ins Auto. 
 
Und wir haben uns einfach darauf verlassen, dass der Typ dieses Auto kennt – wir haben die letzten 3 Tage ja selbst etwa 300 Millionen solcher Kia Morning auf Jejus Straßen gesehen – und das richtige Zeugs einfüllt. Mit meinem Schummelzettel vom Sixt-Mitarbeiter wäre ich jedenfalls gescheitert. Auf keiner Zapfsäule konnte ich diese Zeichen wiederfinden.
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4 Responses so far.

  1. Doris sagt:

    Ich hau mich ab – deine Beschreibung über deine Verhaltensweise find ich genial 😉 Den Schummelzettel vom SIXT-Mitarbeiter solltest vielleicht nicht öffentlich herumzeigen, wer weiß, was der dir da aufgeschrieben hat und sich jetzt wahrscheinlich noch einen Ast deswegen lacht. Und das Foto Nr.10 macht mir etwas Sorgen, das sieht aus, als wär’s von neben der Strasse gemacht….. Ich hoffe, ihr habt euch nur über’s Geländer gebeugt und seid nicht im Graben gelandet. Aber davon hätte es dann sicher auch ein Foto gegeben.
    Liebe Grüße Doris

  2. Maulwurf sagt:

    Ja, Foto 10 ist von neben der Strasse. Aber da waren wir auch nicht im Auto. Also keine Sorge ;-)).
    Das Foto von „im Graben“ ist leider nix geworden. Verwackelt. ;-))).

  3. Lilly sagt:

    Wahnsinn, ihr seid mutig ,aber zum Glück seid ihr und Auto gut angekommen und alles heil geblieben. Ist sicher eine Nervenprobe gewesen . Das blaue …finde ich auch lustig,wenns was bringt gg
    Der Fahrer mit dem Motoroller find ich lustig, der wird ja bald von seinem Gepäck erschlagen gg

    lg Lilly

    • Sue sagt:

      Die blauen Schaumstoffknubbel sind wahrscheinlich eine gute Idee. Aber hübsch sind sie leider gar nicht. 🙁

      Von Motorrollern aus Asien kann ich dir noch ganz andere Geschichten erzählen. Zwar nicht in Südkorea, aber in anderen Ländern ist da oft die ganze Familie oder ein ganzer Haushalt draufgepackt.

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