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Kowloon Walled City – das dunkle Labyrinth

Enge finstere Gassen ohne Tageslicht führen durch Häuser von deren immer feuchten Wänden brüchige Kabelstränge und verrostete Rohre herunterhängen. Am Boden watet man durch Müll, Unrat und Ratten. Wohnungen, die zwischen 10 und 20 m2 groß sind und von zwei, drei, vier Familien bewohnt werden. Mit 33.000 Menschen auf der Größe von 4 Fußballfeldern ist das weltweit die höchste Bevölkerungsdichte. Im ewig Dunklem und einer rechtsfreien Zone wohnen Menschen, die sich vor dem Gesetz verstecken oder kein Geld für eine ordentliche Wohnung in Hongkong haben. Die Triaden, also die chinesische Mafia, die von Schutzgeldern lebt, sorgt für „Recht und Ordnung“ in diesem Moloch, wo Waren für die Hongkonger Bevölkerung zu unschlagbar günstigen Preisen produziert werden. Natürlich zu unvorstellbar schlechten Arbeitsbedingungen.
 
Wie sich das als Bewohner von Kowloon Walled City – der ummauerten Stadt – anfühlt, kann ich nicht erfahren. Eine Ahnung davon, wie man sich als Besucher in so einem Slum fühlt, habe ich allerdings schon. Ich brauche nur an Stadtteile von Manila oder Jakarta zurückdenken, die ich besucht habe. Es hat mich dort so geekelt , dass ich so rasch wie möglich wieder weg musste.
 

Ein Gedenkpark ersetzt die ummauerter Stadt

Aus Kowloon Walled City muss heute niemand mehr vor Ekel flüchten. Denn zum Glück wurden die bedauernswerten Bewohner von Kowloon Walled City umgesiedelt und das Elend geschliffen.
 
Im hübschen und beschaulichen Gedenkpark, der an dieser Stelle errichtet wurde, konnten wir nur noch einen Schatten der damaligen Zustände finden. Artefakte wie das ehemalige Gemeindezentrum, das Almshouse, Videoinstallationen sowie eine naturgetreue Bronzeplastik verschafften uns einen Einblick, wie es damals war. Ebenso eine beeindruckende ORF-Dokumentation vom Originalschauplatz, die Hugo Portisch 1988 produziert hat (Kowloon Walled City 1988).
Manchesmal ist es doch besser, wenn man nicht mehr das Original besichtigen „muss“.
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