Der große Merchandising Buddha

Am Ngong Ping Plateau auf der Insel Lantau sitzt der Tian Tan Buddha. Er ist die zweitgrößte freistehende Buddhastatue und trotz seines jugendlichen Alters von 22 Jahren ein echter Touristenmagnet. Das volle Ausmaß, wie beliebt die Bronzestatue bei Touristen ist, war nicht zu übersehen. Der Ausflug zum Big Buddha hat mir auch ganz gut gefallen. Doch als Individualreisende, die auch öfter in Ecken ist, die noch kaum ein Tourist gesehen hat, erlebte ich diesen Tag ziemlich ambivalent.

Touristen-Maschinerie

Irritiert hat mich, dass das Interesse für die Buddhastatue Tian Tan und das Po Lin Kloster nicht aus einer geschichtlichen Entwicklung oder religiösen Bedeutung herrührt. Vielmehr war es vor 25 Jahren eine bewusste Entscheidung der Hongkonger Regierung die Insel Lantau zu einem attraktiven Touristenziel zu entwickeln. Also mussten ein Disneyland, ein Buddha und eine Seilbahn her, die Touristen in üppigen Mengen auf den Berg bringen kann. Aus wirtschaftlicher Sicht verstehe ich das. Aber Massentourismus ist nicht mein Ding.
 
Ich muss zugeben, Massentourismus-Infrastruktur hat auch ihre Vorteile. Top-Hinweisschilder, gute Verbindung, zahlreiche Möglichkeiten zu essen und zu trinken, gemütliche „Schanigärten“, die sonst nicht sehr oft in Hongkong zu finden sind und alles ist sehr sauber und gepflegt.
 
Was mich aber ein bisschen erschlagen hat, war die Menge an Menschen die so mitten unter der Woche – quasi zu einer schwachen Besucherzeit – da waren. Das brachte recht langes Warten mit sich. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie ewig man ansteht, wenn man am Wochenende oder Feiertag aufs Ngong Ping Plateau möchte. Wirklich entsetzt hat mich das Touristenverkaufsprogramm, das schon bei der Website und am Fuße der Seilbahn begonnen hat. Verschiedenste Packages, wobei die Leistungen im Detail für mich nicht nachvollziehbar waren. Aber an der Kassa keine übersichtliche Preistafel. Da kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass das Absicht ist und den Touristen beim Ticketkauf vielleicht etwas Unnötiges aufgedrängt wird. Gleichzeitig steht auf jedem Ticket groß drauf, dass es nicht umgetauscht, zurückgegeben, umgeändert oder sonst was werden kann.

Ticket-Dealer

Zudem sahen wir hier ein paar Typen, die vor der Seilbahn Tickets verkauften. Hier weiß ich nicht genau welche, aber bei der Fähre nach Macau, gab es ebensolche Typen, die für bestimmte Zeiten, die schon ausverkauft waren noch Tickets hatten und die mit sattem Aufschlag verkauften. Ich denke, dass das bei der Seilbahn ähnlich läuft.

Schneekugel-Kitsch

Nächster Schritt: Beim Einsteigen in die Gondel ist der Fotograf zur Stelle und wenn man oben aussteigt, bekommt man schon das ausgedruckte Foto präsentiert, dass man um einen recht üppigen Betrag erstehen kann. In Zeiten von Digitalfotografie kann ich das nicht so recht nachvollziehen. Aber das Highlight war das Foto in einer Schneekugel. Unpackbar kitschig!
Gleich darauf folgt ein Merchandising-Shop. Hier gibt es alles, was man so am Berg braucht oder nicht braucht. Weiter geht es dann mit der Souvenir-Meile. Hier wird jedes erdenkliche Mitbringsel verkauft, das den Daheimgebliebenen aufgedrängt wird, obwohl es all dieses Zeug, das in China produziert wird, auch bei uns in jedem 1-Euro-Shop zu kaufen gibt.

Merchandising bis zum bitteren Ende

Natürlich sind wir brav in sengender Hitze bei strahlendem Sonnenschein ebenso keuchend wie alle anderen Touristen die Treppe mit 260 Stufen zum Buddha hinauf gewandert. Die größere Herausforderung war allerdings ein Foto zu schießen, auf dem der Buddha nicht komplett von Touristen oder Schirmen verdeckt ist. Zum Abschluss drehten wir noch eine Runde durch das Gelände des Po Lin Klosters bevor wir wieder mit der Gondelbahn in Tal zurückkehrten. Zum Abschluss wurden wir noch durch einen riesengroßen Merchandising-Shop geschleust. Danach waren wir aus der Touristen-Abzocker-Maschinerie entlassen.
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