LifouNeukaledonien

Lifou – hier gibt es gar nichts

Pam hatte uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und unser Ostküstenwochenende vereitelt. Da ich ja nur 5 Woche da bin, bleibt nicht mehr viel Zeit übrig, alles unterzubringen, das wir noch erleben wollen. Deshalb habe ich am Donnerstag kurzfristig einen Flug nach Lifou gebucht. Anissa war ganz überrascht, dass ich nicht beim Flughafen war, sondern übers Internet gebucht habe. Ich bin dafür immer wieder erstaunt, dass ich ein Zimmer, einen Transfer zur Unterkunft oder ein Auto mieten nur telefonisch erledigen kann.

Um 16 Uhr bin ich dann nach 40 Minuten Flug auf der vermeintlichen Trauminsel gelandet. Wieder alles sehr putzig klein, wie schon auf der Ile des Pins. Als ich mir einen Plan beim einzigen Flughafenschalter holte, der natürlich Touristeninformation, Ticketschalter und Autoverleih in einem ist, wurde ich auch freundlich gefragt ob ich noch etwas brauche. Als ich antwortete mich würde Sarah abholen, haben sie sofort nach ihr gerufen. Das ist da eben einfach ein großes Dorf. Also eigentlich ein kleines. Also stand Sarah, die Tante von Bella bei der ich wohne, vor mir. Sarah ist offenbar die Einzige, die hier wirklich Englisch sprechen kann. Deshalb wird sie immer zum Flughafen geschickt, wenn Gäste ankommen, die nicht Französisch sprechen.

Der Verkehr, ein Nichts

Da es auf Lifou keinerlei öffentliche Verkehrsmittel gibt, kann man entweder ein Auto mieten, einen Transfer bestellen oder per Anhalter fahren. Um sicher in meine Unterkunft zu kommen habe ich meinen Transfer vorab fixiert. Vom Flughafen in …. braucht man eine gute Stunde hierher in den südlichen Teil an der Ostküste nach Luengöni. Sarah hat mir auf der Fahrt sehr viele interessante Sachen über Lifou und deren Bewohner erzählt. Beispielsweise, dass hier natürlich jeder jeden kennt, wie viele Tribes es gibt, welche Bezirke und welche Schulen.

Da es auf der ganzen Insel nicht vielmehr als 20 Straßenschilder gibt, wird der Name des Tribes, den man gerade betritt, am Boden aufgeschrieben. Eigentlich eine ganz nette Idee. So hat man wenigstens irgendeine Ahnung wo man gerade sein könnte.
Bei der Anreise ist mit sofort aufgefallen, dass es kaum Verkehr gibt. Oft kommt nur ein Auto in 10 Minuten vorbei. Manchmal aber auch drei Autos auf einmal. Aber das war es dann auch schon.

Die Hauptstadt Wé, ebenfalls ein Nichts

Irgendwann fuhren wir dann durch die Hauptstadt Wé. Wobei Hauptstadt ist maßlos überzogen. Es hat nicht einmal etwas mit einem Dorf zu tun. Es ist einfach ein großes Nichts. Vielleicht 20 Häuser plus Post, Verwaltungshaus, Schule und Krankenhaus. Und dann noch ein ATM, 3 Tankstellen und ein Supermarkt. Der einzig echte Supermarkt. Alle anderen sind gerade mal so groß wie mein Wohnzimmer. Im Gegensatz dazu ist ein österreichisches Straßendorf im Waldviertel ziemlich überbevölkert.

Dafür ist es landschaftlich sehr schön ist. Es gibt viele tropische Pflanzen und oft einen Blick aufs Meer und manchmal auf ein paar Felsen. Aber sonst fast nichts. Abgesehen von ein paar hübschen, gepflegten Gärten mit Hecken oder farbenfrohen Zäunen und eigentlich fast nur gemauerte und sehr farbenfrohe Häuser. Die traditionellen Hütten gibt es offenbar nur mehr für Touristen

Die Hütte mit quasi nicht ausgestattet

Jedenfalls bin ich so ein Tourist, der in so einer Hütte wohnt. Eigentlich sind sie komplett aus Palmenblättern gebaut. Diese hier hat einen gemauerten Sockel und einen gefliesten Boden, was ich viel besser finde. Auf dem Boden liegen dann Matten, darauf mitten im Raum der sicher so seine 6 Meter Durchmesser und geschätzte 6 Meter Höhe hat, eine Matratze mit Polster und Leintuch. Ach ja, noch ein Nachtkästchen um eine Kerze drauf zu stellen und einen quasi Tapezierer-Tisch um dort sein Gewand ablegen zu können. Und dann gibt es noch eine tragbare Neonleuchte, die in der Früh zur Steckdose beim Essplatz gebracht werden muss, damit sie in der nächsten Nacht wieder leuchtet. Sonst gibt es nachts auch nur Nichts, also kein Licht. Da meine Neonleuchte nur mehr 15 Minuten lang leuchtet, habe ich inzwischen eine Taschenlampe bekommen. Was eh viel praktischer ist, weil ich mit dieser in der Nacht gut zur Toilette gehen kann. Schließlich ist es draußen stockdunkel. Es gibt ja nichts. Kein Licht, keine Straßenbeleuchtung. Also wirklich nichts. Aber das Schöne daran ist, dass man einen wirklich genialen Sternenhimmel bewundern kann. Sogar die Milchstraße konnte ich hier nach langer Zeit wieder einmal sehen.

Am Strand auch nichts

Jedenfalls schickte mich Bella nach meiner Ankunft gleich einmal zu Strand. Wirklich wunderschön. Voll weißer, staubzuckerfeiner und weicher Sand. Türkisfarbenes Meer. Und ich ganz alleine am Strand. Hier gibt es auch nichts. Nicht einmal einen einzigen Einheimischen. Die gehen nämlich weder an den Strand noch ins Meer. Warum auch, das haben sie doch eh jeden Tag vor der Türe. Ist damit voll uninteressant für sie.

Als ich da so ganz alleine am Strand gesessen bin, habe ich mich über die Schönheit dieses Flecken Erde sehr gefreut. Doch eigentlich ist mir dann auch schwer ums Herz geworden, denn ich habe mich auch sehr alleine und einsam gefühlt. Überall einfach nur nichts.

Für den Abend hat mich Bella zum Bougna-Essen, einem wirklich sehr köstlichen nationalen Gericht, vergattert. Mit den drei anderen Gästen hier, habe ich wenigstens ein bisschen Ansprache gefunden. So richtig unterhalten ohne Sprachkenntnisse kann man sich ja nicht. Aber wir haben Uno gespielt und das ist wenigstens international.

Ohne Auto bleibt man im Nichts gefangen

Im Austausch über die Dinge, die man hier auf der Insel machen kann, wurde mir sofort klar, dass ich ohne Mietauto hier gar nichts machen kann. Die drei Uno-spielenden Franzosen haben mir angeboten, mich am nächsten Tag in die Hauptstadt mitzunehmen, damit ich ein Auto mieten kann. Das war wenigstens ein kleiner Lichtblick, dem Nichts irgendwie doch noch zu entkommen.

Ohne Internet im Nichts

Auch wenn das eh nichts Neues ist, ohne Internet fühle ich mich von meinen Freunden voll abgeschnitten. Aber hier, wo es nicht einmal Strom in der Hütte gibt, fehlt mir das Internet gleich noch viel mehr. Nicht einmal eine Kommunikation ist aus dem Nichts heraus möglich. Das macht mich wirklich sehr, sehr unrund.

Die einzige Möglichkeit dem Nichts ein Ende zu machen, ist es zeitig schlafen zu gehen. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal weit vor Mitternacht ins Bett gegangen bin. Jedenfalls bin ich grübelnd, wie ich dieser Einsamkeit entkommen kann, rasch eingeschlafen und habe erstaunlich gut geschlafen. Die Matratze ist komfortabler als so manche Aufklappcouch in Noumea.

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