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Taipei rollt

Wir haben auch in Taipei unsere äußerst objektive und völlig genormte Erhebung des  Verkehrsaufkommens durchgeführt.

An erster Stelle wieder’mal Menschen, schließlich leben hier 2,7 Mio. Menschen auf nur 272 km2 (Wien hat immerhin 415 km2). Im Großraum Taipeis, der heißt originellerweise „Neu-Taipei“, sind es insgesamt bald 7 Mio. Menschen. Aber den absoluten Menschenmassen-Wahnsinn, wie voriges Jahr in Tokyo auf Shibuya Crossing, haben wir hier nicht erlebt.

Mehr Roller oder mehr Einwohner?

An zweiter Stelle Roller. Wobei wir nicht sicher sind, ob es nicht mehr Roller als Menschen gibt. Es ist unglaublich wieviele, vorwiegend kleinvolumige Roller hier herumwuseln.

Jedesmal wenn eine Ampel auf Grün schaltet, braust ein Schwarm benzinbetriebener Insekten über die Kreuzung. Oftmals auch kreuz und quer und nicht selten mit ohrenbetäubenden, wahrscheinlich manipulierten Schalldämpfern oder eben Schall-Nicht-Dämpfern.

Am Straßenrand parken nicht selten 50 oder 100 Roller, ordentlich und extrem eng geschlichtet nebeneinander. Jeder Straßenzug zeigt wesentlich mehr geparkte Roller als PKWs. Wir haben Parkplätze gesehen, die wie ein Meer von Rollern aussahen und sicherlich 1000 oder mehr Roller auf engstem Raum beherbergten, aber kein einziges Auto.

Mehr Powertape als Chassis

Aber ich habe auch noch nie solche Schrottmühlen gesehen. Es ist unfassbar in welchem Zustand sich manche dieser Gefährte befinden. Da gibt es Roller die sind so dreckig und zerschunden, dass man an keiner Stelle mehr die Farbe des Gefährts identifizieren kann. Andere habe wohl schon so viele Unfälle und Umfaller hinter sich, dass sie kaum noch intakte Chassisteile aufweisen. Wieder andere bestehen aus mehr Powertape von dem sie zusammengehalten werden, als Originalchassis.

Natürlich ist es auch so, dass nicht immer nur ein oder zwei Personen auf einem Gefährt dahinrollern. Es können auch schon ‚mal drei oder vier sein. Gelegentlich auch mit Hund.

Und dann gibt’s noch diverse Spezialkonstruktionen. Vierrädrige Roller mit drei Hinterrädern und Starrachse. Oder diverse Aufbauten am Gepäckträger zwecks Transport vieler oder großer oder ganz spezieller Dinge.

Pole Position für Zweiräder

In Tapeis Straßenverkehr haben Roller auch eine ganz eindeutig bevorzugte Position. Vor der Ampel jeder Kreuzung gibt es eine Bodenmarkierung in Form eines Rechteckes. In diesem Rechteck sammeln sich bei Rot alle ankommenden Roller zusammen um beim ersten Hauch von Grün vor allen anderen Fahrzeugen losbrausen zu können.
Quasi „Pole Position für Einspurige“ gesetzlich verankert.
Als Fussgänger muss man halt schau’n, dass man bei Grün weg ist von der Straße.

Schmuddelwerkstatt

Noch ein Kuriosum: Man spaziert eine Straße entlang. Vorbei an Geschäften und Lokalen. Eine Bankfiliale, ein Restaurant, ein Reisebüro, ein…
nichts. Plötzlich steht man vor einem dunklen Loch. Keine Auslage,  keine Tür, nichtmal eine Fassade, nichts. In dem meist etwa 4 x 4 Meter großen Loch eine dunkle,  schwarzdreckige, öl- oder rußverschmierte, komplett vollgerammelte Rollerwerkstatt. Ein oder zwei Chinesen die beherzt an Rollern schrauben oder faul ‚rumsitzen und Radio hören. Drinnen und teilweise auch draußen am Gehsteig, noch ein bis zahllose weitere Roller die auf ihre Behandlung oder ihren Besitzer warten. An den Wänden und auch an der Decke gigantische Mengen an unterschiedlichen Ersatzteilen.
Danach eine Drogerie, ein Schuhgeschäft, eine Bäckerei,…

Eine Anmerkung für meinen Freund Thomas: Es gibt hier keine Kabinenroller und auch keine Dreiräder. Schade.

Darauf, daß weit abgeschlagen und völlig uninteressant, auf den Plätzen 3 und 4 unserer Erhebung, PKWs und Busse rangieren, will ich gar nicht mehr eingehen.

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