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Was derweilen zu Hause geschah…

 
Susanne wurde also ihres heiligsten aller Kommunikationsmittel beraubt. Smartphone weg –> alles weg. Und es hat sich gezeigt, dass Bankaktivitäten ohne Mobiltelefon praktisch nicht mehr möglich sind. Keinesfalls wenn man im Ausland ist.

Nun ein Smartphone kann man eher rasch besorgen, sogar in Neukaledonien. Aber da fehlt ja noch ‚was… der SIM. Der ist ja auch weg. Zum Glück haben wir ihn gleich sperren lassen, damit nix Schlimmes passieren kann.
Also mache ich mich auf den Weg in den nächstgelegenen Telering-Shop (…Telering-Spot nennen die das). Schwer bewaffnet, denn Mobilfunk-Provider sind im Kreise ihrer Kunden als „Service-Wüste“ bekannt. Die Mitarbeiter selbst sehen das natürlich anders. Mein Arsenal bestand aus… einer Kopie der Diebstahlsanzeige in langer und in kurzer Version (leider nur in Französisch, wie soll’s auch anders sein), einer Vollmacht von Susanne, einer Kopie des Führerscheins, einer Kopie des Passes, der letzten Telering-Rechnung und dazu noch mein Führerschein. Weiters viele Überlegungen darüber, welche Probleme es geben könnte und wie ich dann argumentieren sollte.

So stapfe ich etwas angespannt in diesen Telering-Spot und treffe dort auf einen eindeutig südländischen, ziemlich gut Deutsch aber mit starkem Akzent sprechenden, bestenfalls 25 Jahre jungen Mann. Übrigens der einzige Mitarbeiter in diesem Laden.
Ich: „Grüss Gott.“
Er: „Grüss Gott.“
Ich bin überrascht, alle Kunden vor mir wurden geduzt und mit „Serwas“ begrüsst und verabschiedet, obwohl sie offensichtlich weder seine Freunde noch Bekannte waren.
Ich: „Ich hab‘ folgendes, etwas kniffliges Problem. Meine Freundin verweilt gerade in Neukaledonien. Dort wurde ihr ihr Handy gestohlen. Klarerweise mit SIM. Den haben wir sofort sperren lassen, aber jetzt bräuchten wir …“
Er: „Wie ist denn die Nummer?“
Ich: „Ähm… ich hab‘ hier die letzte Abrechnung.“
Ich wühle in meinem Arsenal und schieb‘ ihm die Abrechnung ‚rüber. Er beginnt am Computer zu tippen.
Ich: „Ich hab‘ da auch eine Kopie der Diebstahlsanzeige mit. Und eine Kopie vom Führerschein der Frau Cochlar und…“
Er: „Normalerweise machen wir das nicht, aber in ihrem Fall… sie schauen vertrauenswürdig aus…“
Ich weiss gerade nicht ob das nun ein Kompliment war über das ich mich freuen sollte oder eher eine etwas herablassende Überheblichkeit aus dem Munde eines halb so alten, fast noch Jugendlichen. Aber sicherheitshalber freu‘ ich mich ‚mal.
Er tippt noch ein bisserl weiter. Dann greift er in die Lade und überreicht mir ein Kuvert.
Ich: „Ähm… ich bräuchte einen microSIM.“
Er: „Ja, ist es eh‘.“
Ich: „Mit der gleichen Rufnummer?“
Er: „Ja.“
Ich: „Und der ist schon freigeschaltet?“
Er: „Ja.“
Ich: „Das heisst, man kann ihn ins Handy stecken und er geht schon?“
Er: „Ja.“
Ich: „Braucht man nix mehr aktivieren? Online oder wo anrufen?“
Er: „Nein.“
Ich: „Und was kostet das?“
Er: „Nix. Weil es ein Diebstahl war. Ansonsten 20 Euro.“
Ich: „Ja… Aha… Wollen sie die Diebstahlsanzeige… sehen oder haben? Oder einen Ausweis?… ?“
Er: „Nein, ich vertrau‘ ihnen.“
Ich: „Äh… Dankeschön… Aufwiederschau’n.“
Er: „Aufwiederschau’n.“
Ich verlasse sehr irritiert, langsamen Schrittes den Laden. Hör‘ noch wie er zum nächsten Kunden „Serwas! Bitte was?“ sagt.
Vor dem Geschäft stehe ich noch eine gute Minute und überlege. Hab‘ ich ‚was falsch gemacht? Hab‘ ich irgend’was vergessen? Hat mich der Typ vielleicht falsch verstanden? Was ist in dem Kuvert drinnen? Es ist ein SIM. OK.

Zu Hause angekommen stellt sich dann noch heraus… Es ist ein microSIM, so wie gewünscht. Ich kann SMS empfangen, SMS versenden, anrufen, angerufen werden. Es funktioniert alles und es gibt kein Problem. Gar keines. Ich bin noch immer fassungslos. Diesen SIM zu bekommen hätte in keinster Weise einfacher gehen können. Echt nicht. Und das in Österreich. Bei einem Lowcost-Mobilfunk-Provider.

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