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Geisha & Samurai

Immer wieder haben wir Touristinnen im Geisha-Outfit gesehen und ich wollte auch eine sein. Doch über Geschäfte, die Kimonos vermieten, stößt man nicht so leicht, und wenn doch, dann wird man ignoriert, weil man nicht japanisch spricht. Mit den Webseite für Kimonos erging es uns ähnlich. Und alles was wir verstanden haben sagt uns , dass man lange vorher reservieren muss. Schlussendlich haben wir doch noch eine brauchbare Website gefunden, die sogar mit der Adresse des Geschäfts aufwarten konnte. Doch wie findet man 8-3-10 3rd floor Ginza, Chuo-ku. Klar, irgendwo in Ginza und im dritten Stock eines Hauses. Zum Glück gab es auf dieser Seite einen Link zu Google Maps und so konnten wir uns der Adresse annähern. Wir waren dann auch ganz stolz, dass wir nach Umrundung des gesamten Blocks, das Geschäft gefunden haben.

Zuerst dachten wir, es würde trotzdem nicht funktionieren, weil wir nichts verstanden. Doch die Japanerinnen in ihrer freundlichen und hilfsbereiten Art zauberten eine Kollegin herbei, die ein paar Brocken Englisch sprach und so konnten wir doch noch unsere Metamorphose für den nächsten Tag organisieren.

Man mag es kaum glauben, aber Sonntag in der Früh war ich schon aufgeregt. Obwohl ich mich schon aufs Geisha-sein freute, machte ich mir unendlich viele Gedanken. Beispielsweise darüber, ob mir kalt werden würde, ob und wie ich mit diesem Gewand auf die Toilette gehen kann, ob die Schuhe groß genung sein werden, ob mich der Obi einschnüren wird, ob der Lippenstift nicht zu grell sein wird, ob ich überhaupt mit diesem Gewand sitzen kann und noch ganz vieles mehr.

 

Jedenfalls standen wir um 10 Uhr zur Verwandlung bereit. So einen Frauen-Kimono anzuziehen ist eine recht aufwendige Prozedur. Das fängt mit einem Unterkleid noch recht einfach an. Danach kommen die lustigen Socken, die recht mühsam mit 4 Häkchen zugemacht werden. Alle Schichten die nun weiter folgen, kann man nicht mehr alleine anziehen. Weitere Wickelröcke und Oberteile werden mit Bändern und Tüchern und sogar einer Art Handtuch herum gewickelt und verschnürt. Der Kimono selbst wird ebenso verschnürt und drum herum kommt natürlich ein Obi. Insgesamt haben drei Japanerinnen an mir gewerkt, wobei sie den Kimono nochmals geöffnet haben, um ihn so zu falten, dass er länger wird. Sie wollten natürlich auch gleich wissen, wie groß ich bin und haben bei meiner Schuhgröße 42 noch größere Augen gemacht. Schlussendlich war ich fertig gekleidet und sehr überrascht, dass er viel bequemer sitzt, als es aussieht bzw. ich gedacht habe. Danach zauberte mir die Frisörin noch meine Haare zu einer Hochsteckfrisur.

Nach insgesamt einer Stunde war ich fertig und ausgehfein. Andreas war bereits nach 10 Minuten fertig angekleidet und langweilte sich. Gemeinsam wagten wir uns dann in unserer Verkleidung auf die Straße. Bereits nach 20 Metern wurden wir das erste Mal gebeten, ob man ein Foto von uns machen könnte. Ich kann es gleich vorweg nehmen. Wir wurden an diesem Tag unendlich viele Male fotografiert und erhielten zahlreiche Komplimente. Manche fragten uns einfach, ob sie ein Foto von uns oder mit uns machen können. Andere versuchten heimlich zu fotografieren. Und andere drängten sich auf, mit unserer Kamera Fotos von uns für uns zu machen.

Aufsehen gab es in diesem Aufzug natürlich eine ganze Menge. Geisha und Samurai-Touristen erwecken sowieso Aufmerksamkeit. Doch in Normalfall handelt es sich dabei auch um Asiaten. Dass wir als Europäer in diesen Gewändern steckten war schon etwas Besonderes. Und viele alte Leute freuten sich offenbar sehr darüber, dass wir diese Gewänder angezogen hatten und darin durch die Stadt schritten bzw. trippelten.

So wandelten wir durch den Hamarikyu-Garten, über die Ginza und durch den Ueno-Park um ein paar schöne Plätze für Fotos zu finden. Das Gehen war für uns beide eine kleine Herausforderung. Die Socken mit der abgetrennten großen Zehe rutschten in den Getas hin und her. Und das Trippeln und die Füße nach innen drehen ist auch ein bisschen anstrengend. Nach 5 Stunden herum laufen hatten wir dann auch ein paar eigene Fotos (350), sind oft genug als Model zur Verfügung gestanden und unsere Füße wollten uns auch nicht mehr wirklich weiter tragen. Also sind wir zurück zum Entkleiden, das nur 5 Minuten gedauert hat. Ich habe danach gemerkt, wie kuschelig warm so ein Mehrschichten-Kimono ist, denn es war draußen gar nicht so warm, wie es mir die vergangenen Stunden vorkam. Andreas war einfach nur froh, dass er endlich zu schwitzen aufhören durfte.

Dieser wunderbare Tag hat mich sehr glücklich gemacht und ich habe die vielen wohlwollenden Blicke und ganz lieben Komplimente sehr genossen und werde mich sicher noch sehr lange und oft an die Geisha Sue erinnern.

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